11.12.2007

Gesellschafts-Portrait von Irene Langemann feiert Premiere in Köln - Regisseurin im domradio-Interview "Rubljovka - Strasse zur Glückseligkeit"

Rubljovka: So lautet der Name einer 30 Kilometer langen Straße in Russland. Sie ist die Verkehrsader, die das Zentrum der Macht Moskau mit der russischen Provinz verbindet. Die Rubljovka sei ein gutes Beispiel für den Wandel der gesellschaftlichen Verhältnisse in Russland, meint die Autorin und Regisseurin von Rubljovka - Straße zur Glückseligkeit. Im domradio-Interview spricht Irene Langemann über ihre Intentionen.

Die Gegend um die Rubljovka zog in allen Zeiten wie ein Magnet die herrschende Elite an: Zaren, Diktatoren, Präsidenten. Auch das heutige Staatsoberhaupt Putin wohnt naturgemäß hier. In Putins Russland ist Rubljovka zum Synonym von Reichtum, gesellschaftlichem Aufschwung und dekadenter Lebensart geworden. Spuren der Vergangenheit und die grotesken Auswüchse des russischen Raubkapitalismus bilden hier einen bizarren Mikrokosmos, den es sonst nirgendwo im Riesenreich gibt. In früheren Zeiten sei die Rubljovka eine für jeden zugängliche Landstrasse gewesen, erklärt Irene Langemann. "Heute hat man den Eindruck, dass es ein Hochsicherheitstrackt ist. An jeder Kreuzung patrouillieren mehrere Polizisten und die Strasse ist gesäumt von meterhohen Zäunen." Hütten weichen PalästenNeureiche Emporkömmlinge haben die Grundstückspreise an der Rubljovka in exorbitante Höhe getrieben. Jetzt ist der Krieg um die wenigen noch vorhandenen Fleckchen Boden ausgebrochen. Die letzten Hütten der Ar­men müssen den Palästen der Reichen weichen, mit Methoden, die kaum unlauterer und brutaler sein könnten. Der russische Staat, der durch die Ölmilliarden ein imperiales Comeback feiert, hat die Schwachen und Armen zum Abschuss frei gegeben. Sie fühlen sich ‚wie Indianer im Re­servat'. Und kaum einer wagt noch dagegen zu protestieren. Gefährliche DreharbeitenTrotz müh­sam erkämpfter Drehgenehmigungen, wurde das Filmteam permanent vom russischen Sicherheits­dienst FSB, der Verkehrspolizei und von sämtli­chen Wachdiensten behindert und bedroht. Vieles musste mit versteckter Kamera gedreht werden. Der Film ist dennoch entstanden. Keine Klischees bedienenVerlierer und Profiteure, Reiche und Arme, die Mächtigen und ihre Marionetten werden von der Kamera in ihrem Alltag begleitet, in dem sich die sozialen Gegensätze immer mehr verschärfen. Der Film zeichnet ein gesellschaftliches Porträt des heutigen Russlands, in dem Putins "gelenkte De­mokratie" immer mehr diktatorische Züge gewinnt. Der Dokumentarfilm von Irene Langemann begibt sich in das Innenleben der neuen russischen Machtelite und ist ein faszinierendes und erschreckendes gesellschaftliches Portrait von Putins Russland. Diese sich wandelnde Gesellschaft filmisch zu erforschen sei Langemanns Motivation zu diesem Film gewesen. "In Russland assoziieren die meisten Rubljovka mit den Neureichen. Für mich war es ganz wichtig, nicht nur die reiche Elite zu zeigen. In Russland assoziieren die meisten Rubljovka mit den Neureichen", so die Regisseurin.Auf keinen Fall habe sie dieses Klischee bedienen wollen.Wichtig bei der Auswahl der Figuren sei es ihr auch gewesen, einen Vertreter der Verkehrspolizei zu finden. Diese gehörten zum "Bild der Strasse", so Langemann.Die Premiere von "Rubljovka - Strasse zur Glückseligkeit" findet am 12. Dezember 2007 um 20:00 Uhr im Museum Ludwig  in Anwesenheit von Regisseurin und Protagonisten statt.