03.12.2007

Betreiben russische Spione in Deutschland Industriespionage? Putin will Militärapparat ausbauen

Der russische Präsident Wladimir Putin hat seine Nachrichtendienste schon vor den Parlamentswahlen zu einer verstärkten Spionagetätigkeit in Deutschland aufgefordert. Wie die Nachrichtenagentur ddp aus Kreisen westlicher Geheimdienste in Moskau erfuhr, wolle Putin besonders die deutsche Rüstungsindustrie verstärkt ausspähen lassen, "damit er auch auf diesem Weg wesentlich schneller seine Armee zu ihrer alten Stärke aufbauen kann", war am Montag in Berlin zu erfahren. Langwierige eigene Entwicklungen könnten sich die Russen auf diese Weise ersparen.

In der Bundesrepublik werden nach Informationen der Geheimdienste Hunderte russische Spione vermutet. Sie tarnten sich hauptsächlich als Diplomaten, Journalisten und Kaufleute.Putin will nach Darstellung der westlichen Geheimdienste seine Machtstellung in der Russischen Föderation nicht nur mit seinem politischen Erfolg bei den Wahlen vom Wochenende, sondern auch mit der Stärkung des Militärapparates ausbauen und festigen. Dazu wolle er auf "illegalem Weg" die deutsche Spitzentechnologie auf dem Rüstungssektor nutzen, hieß es.Der militärische Aufklärungsdienst GRU und der SWR - Nachfolger vom KGB - gingen mit ihren verdeckten Aktionen in Deutschland "immer unverfrorener" vor, berichtete ein deutscher Nachrichtenexperte. Er verwies auf die Erfahrungen, die der ehemalige KGB-Mann Putin seinerzeit bei seinem Einsatz in der Bundesrepublik sammeln konnte.Die deutschen Geheimdienste machten darauf aufmerksam, dass Putin trotz seiner ständig gezeigten Männerfreundschaft mit dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nicht davor zurückschrecke, immer mehr seiner Späher in die Bundesrepublik zu schicken. Die russischen Spione gingen sehr geschickt vor und gäben sich als "besondere Freunde" Deutschlands aus, die noch mehr vom Land kennenlernen möchten.Oft sprechen diese Russen tadelloses Deutsch, das ihnen in der Heimat beigebracht worden ist. Nicht selten beherrschen die Spione sogar einen Dialekt, um "besonders nah" an die entsprechenden Zielpersonen heranzukommen. Meist wird die sogenannte Auskunftsperson über die wahren Absichten vom russischen Partner erst aufgeklärt, wenn sie sich so verstrickt hat, dass sie aus der "Falle nicht mehr herauskommt", schilderte ein Geheimdienstmann.Die mittlerweile von allen Einschränkungen nahezu unbelastete Ost-West-Wirtschaft bietet den russischen Diensten nach Auskunft der deutschen Spionageabwehr die Chance, ihre Mitarbeiter unter privatwirtschaftlicher Tarnung in Unternehmen einzuschleusen, sei es als Beschäftigte, Teilhaber oder gar Gründer einer russischen oder gemischt deutsch-russischen Firma.Mit Blick auf das politisch gute Verhältnis zu Moskau und die heikle Situation auf dem Spionagesektor, sagte ein Geheimdienstler in Berlin: "Über dem Tisch reichen wir uns die Hände, unter dem Tisch treten wir uns vors Schienbein". Werde ein russischer Spionagefall in Deutschland entdeckt, werde alles "schnell und unauffällig" zwischen Berlin und Moskau gelöst, bevor der Fall das Licht der Öffentlichkeit erblickt.Der Abteilungsleiter Spionageabwehr beim Kölner Bundesverfassungsschutzamt, Burkhard Even, hatte erst am Wochenende in einem Interview erklärt: "Für die russische Staatsführung ist es kein Widerspruch, einerseits gute politische Beziehungen anzustreben und andererseits illegale Aufklärung in Deutschland zu betreiben". Der Schaden der russischen Wirtschafts- und Rüstungsspionage in der Bundesrepublik wird von Wirtschaftsverbänden auf rund 20 Milliarden Euro geschätzt.