28.11.2007

Gudrun Wagner ist überraschend gestorben "Ein großer Verlust für Bayern"

Die Grande Dame der Bayreuther Festspiele, Gudrun Wagner, ist tot. Offiziell war zwar ihr Mann Wolfgang Wagner der Leiter des weltberühmten Opernfestivals. Doch seit Jahren galt sie als heimliche Herrscherin auf dem Grünen Hügel. Ihr Tod kam überraschend.

ReaktionenDie 1944 in Ostpreußen geborerene Wagner starb am Mittwochmorgen im Alter von 63 Jahren."Das kam völlig unerwartet", sagte eine Sprecherin der Bayreuther Festspiele. Sie sei am Montag wegen einer kleineren Operation ins Bayreuther Klinikum eingeliefert worden, habe den Eingriff aber gut überstanden. Die Todesursache sei noch unklar. Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) bezeichnete ihren Tod als "großen Verlust für Bayreuth, Bayern und die weltweite Festspielgemeinde".Per Fax äußerte sich Wolfgang Wagner am Vormittag in einer kurzen Erklärung: "Tief bewegt und in stiller Trauer muss ich bekannt geben, dass heute Morgen meine liebe Frau und engste Mitarbeiterin Gudrun Wagner völlig unerwartet verstorben ist." Das Paar war seit über drei Jahrzehnten verheiratet. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau war der Enkel des berühmten Komponisten Richard Wagner 1976 erneut vor den Traualtar getreten. Seine 25 Jahre jüngere Braut hieß Gudrun Mack und arbeitete im Büro der Festspiele. Bei der Hochzeit war sie 32 Jahre alt, zwei Jahre später kam Tochter Katharina zur Welt.Streit um NachfolgeBei den Bayreuther Festspielen hat Wolfgang Wagner einen Vertrag auf Lebenszeit. Vor sechs Jahren wollte er seine Frau Gudrun zur Nachfolgerin ernennen. Doch der Stiftungsrat entschied sich für dessen Tochter aus erster Ehe, Eva Wagner-Pasquier. Das wollte der Festivalchef nicht akzeptieren. Er blieb formal im Amt, die Geschäfte regelte weitgehend seine Frau Gudrun. Der Vorsitzende der "Gesellschaft der Freunde von Bayreuth", Karl Gerhard Schmidt, betonte ihre besondere Rolle: "Je älter Herr Wagner wurde, desto mehr hat sie aktiv seine Geschäfte betrieben - in seinem Einverständnis." Er sei von ihrem Tod tief erschüttert, sagte Schmidt. Noch in der vergangenen Woche habe er mit ihr telefoniert. "Wir haben sehr eng zusammengearbeitet."Gudrun Wagners Tod könnte den Streit um die Nachfolge ihres 88-jährigen Witwers verschärfen. Die zwei Halbschwestern Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier wollen beide in die Fußstapfen des Vaters treten. Die Favoritin des Festivalleiters ist die 29-jährige Katharina aus zweiter Ehe. Doch der Ausgang des Wettstreits ist ungewiss. "Kommt Zeit, kommt Rat", sagte der Chef der "Freunde von Bayreuth", Schmidt. Um die Zukunft des Festivals an sich mache er sich jedoch keine Sorgen. "Die Festspiele fallen jetzt nicht in ein Loch." Schließlich sei Wolfgang Wagner ja auch noch da.In ganz Bayern hat der Verlust von Gudrun Wagner für Erschütterung gesorgt. Der bayerische Kunstminister Thomas Goppel (CSU) zeigte sich über den Tod der "Steuerfrau der letzten Jahre" tief betroffen. Und der Bayreuther Oberbürgermeister und Geschäftsführer der Richard-Wagner-Stiftung, Michael Hohl (CSU), betonte: "Mit Gudrun Wagner verlieren die Bayreuther Festspiele eine wichtige Stütze und die Stadt Bayreuth eine hochverdiente Mitbürgerin."