26.11.2007

Nachrichtenarchiv 26.11.2007 10:44 Ex-Mitarbeiterin: Dignitas betreibt Schnellabfertigung des Todes

Die ehemalige Dignitas-Mitarbeiterin Soraya Wernli hat erneut scharfe Kritik an der Sterbehilfeorganisation geübt. Sie warf Dignitas am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Anne Will" vor, zu einer Schnellabfertigung des Todes übergegangen zu sein. Es könne nicht sein, dass Menschen nur ein kurzes Gespräch mit dem Arzt hätten und dann noch am selben Tag in den Freitod gingen. Die Frage, ob Menschen zum Suizid überredet worden seien oder Druck ausgeübt werde, verneinte Wernli. Es habe aber Situationen gegeben, bei denen es andere Optionen gegeben hätte, als den Freitod anzubieten. Zudem sprach sie von einem festen Ablauf, bei dem die Menschen mitliefen, ohne eine Chance zu haben, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken. Die ehemalige stellvertretende Dignitas-Geschäftsführerin berichtete von zwei Fällen aktiver Sterbehilfe, die ihr bekannt seien. Vorwürfe zurückgewiesen Dignitas-Gründer Ludwig Minelli wies die Vorwürfe zurück. Wernli habe als Polizeispitzel bei Dignitas gearbeitet und sage, was der Staatsanwalt seit Jahren behaupte. Minelli forderte eine Änderung der Gesetzgebung, die die Aktivitäten der Sterbehilfeorganisation auch in Deutschland legalisiert. Kosten von derzeit 5.900 Euro für den von Dignitas assistierten Suizid begründete Minelli mit Rechtskosten und einem "enormen Beratungsaufwand". Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Wolfgang Bosbach, kritisierte die professionalisierte Hilfe zum Selbstmord gegen Geld. Mit Blick auf einen jüngst vom Hamburger Politiker Roger Kusch präsentierten Selbsttötungs-Automaten sprach Bosbach von einer Entwicklung, die mit einer humanen Gesellschaft nichts zu tun habe.