23.11.2007

Mittweida: Mutmaßliche Rechtsradikale traktieren junge Frau und Kind Wie tief können Abgründe sein?

Eine 17-Jährige und ein Kind sollen im sächsischen Mittweida Opfer eines brutalen Angriffs von vier Neonazis geworden sein. Bei der Gewalttat, die sich bereits am 3. November ereignete, sei der jungen Frau mit einem skalpellartigen Gegenstand ein etwa fünf Zentimeter großes Hakenkreuz in die Hüftgegend geritzt worden, teilten Chemnitzer Staatsanwaltschaft und Polizei am Freitag mit.

Der Versuch, ihr ein weiteres Zeichen in die Wange zu ritzen, scheiterte danach an der Gegenwehr. Die junge Frau war einem Kind zu Hilfe geeilt. Der sächsische Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) zeigte sich entsetzt. «Dies ist eine schlimme Nachricht,» sagte Buttolo. Er bitte alle Bürger, die Polizei und die Justiz bei der Aufklärung zu unterstützen.Bei einem tatverdächtigen 19-Jährigen aus dem Raum Burgstädt wurde den Angaben zufolge unter anderem ein Button der ehemals in der Region aktiven Neonazigruppe «Sturm 34» gefunden. Eine Untersuchungshaft wurde aber wegen unzureichendem Tatverdacht gerichtlich abgelehnt. Aufgrund von Kleidung, Aufnähern und Tätowierungen werden die Täter, von denen drei zwischen 21 und 25 Jahre geschätzt werden, der rechten Szene zugeordnet.Die junge Frau hatte nach eigener Darstellung zunächst beobachtet, wie vier junge Männer ein laut weinendes Kind herumschubsten. Als sie einschritt, sei sie von den Männern zu Boden gerissen und traktiert worden. Später hätten die Täter von ihr abgelassen, auch dem Kind sei die Flucht gelungen. Menschen auf umliegenden Balkons hätten das Geschehen beobachtet, seien aber nicht eingeschritten.Die Tat wurde nach Behördenangaben erst am 12. November angezeigt.Daraufhin fand die Polizei auch das Kind, bei dem es sich um ein Spätaussiedlermädchen handelt. Die Sechsjährige habe den von der jungen Frau geschilderten Hergang der Tat bestätigt.Die Region Mittweida geriet in die Schlagzeilen, als im April die dort aktive Neonazigruppe «Sturm 34» verboten wurde. Ihr sollen bis zu 150 Mitglieder und Sympathisanten angehört haben. Zahlreiche Mitglieder wurden inzwischen wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagt.