16.11.2007

Ausstellung: Eine Kulturgeschichte des Bösen Auf Tod und Teufel

So viel Böses war selten im Leben von Silke Seybold. Seit etwa einem Jahr bereitet die Völkerkundlerin eine Sonderausstellung zur Kulturgeschichte des Bösen im Bremer Überseemuseum vor und hat seither täglich mit Tod und Teufel zu tun.

"All about Evil - Das Böse" "Je mehr ich darüber mit Freunden und Bekannten geredet habe, um so häufiger bekam ich kleine Geschenke: eine Schutzfee, ein Glücksschwein oder Karten mit Kraft spendenden Sprüchen", erinnert sie sich. Bald ertappte sie sich bei der Frage, ob sie den Schornsteinfeger kürzlich nicht doch hätte berühren sollen."All about Evil - Das Böse" heißt die Ausstellung nach einem Konzept des Tropenmuseums Amsterdam, die in Bremen mit einem umfangreichen Begleitprogramm seit Freitag bis zum 18. Mai 2008 zu sehen ist.Farblich versinkt die Ausstellungsfläche mit 500 Exponaten auf rund 800 Quadratmetern in einem schwarz-roten Meer, durchbrochen von züngelnden Flammenbildern, die bange Ahnungen von der Quelle alles Bösen wecken. "Islam, Christentum und Judentum kennen klare Ursprungsgeschichten wie den Sündenfall oder den Engelssturz", erläutert Kuratorin Seybold.Anders ist das etwa im Buddhismus und im Hinduismus, die ähnlich wie Religionen in Afrika und Ozeanien Gut und Böse als Mächte sehen, die unteilbar miteinander verbunden sind und sorgsam ausbalanciert werden müssen. Die Gesichter und Masken des Bösen ähneln sich hingegen weltweit, wie die Schau zeigt. Immer sind sie hässlich, oft von Hörnern gekrönt. "Dem Bösen einen Ort, ein Gesicht zu geben, seine Waffen zu kennen, das erleichtert uns die Begegnung", sagt Seybold."Wir wollen vor allem Fragen lostreten"Doch gibt es einen Schutz vor Teufeln, Dämonen, Hexen, bestialischen Tiergestalten und gefährlichen Pflanzen wie Alraune und Hexenpfurz?Missionare der Norddeutschen Mission mischten um 1900 Zauber-Elixiere. Bis heute weit verbreitet sind Amulette: Ob als schützende Hand oder als geschriebener Text und am Körper getragen - die Glücksbringer treten auf allen Kontinenten gegen Satan, Luzifer und die ganze höllische Brut an. Manchmal sind es auch Heilungsrituale, ein schlichtes Hufeisen oder ein grimmiger Dachreiter mit langen Reißzähnen, die das Böse von Haus und Hof bannen sollen.Nach in- und ausländischen Leihgaben zu Ursprüngen, Gesichtern und dem Schutz vor der Bedrohung schließt sich in der Ausstellung der Flirt mit dem Bösen an. Er führt geradewegs in die Gegenwart, zu der Fruchtgummi-Teufel und die Pizza Diavolo gehören. "Heute haben Teufel und Hexen ausgedient", ist die Ethnologin Seybold überzeugt. Sie verweist auf moderne Protagonisten des Bösen: Als "Darth Vader" oder "Skeletor" haben sie längst die Kinderzimmer erobert.Ob das gefährlich ist, darauf gibt die Ausstellung keine Antwort. "Wir wollen vor allem Fragen lostreten", bekennt Seybold. Doch eines scheint sicher: Das Böse ist immer und überall, wie schon die österreichische Rockband "Erste Allgemeine Verunsicherung" vor 20 Jahren sang. Oder liegt die Wahrheit eher bei Shakespeare? Der lässt seinen Hamlet im zweiten Akt der gleichnamigen Tragödie sagen: "An sich ist nichts weder gut noch böse. Das Denken macht es erst dazu."