18.10.2007

Deutschlands erste private Adoptionsvermittlung sitzt in Bochum Neue Eltern gesucht

Am Anfang stand die Enttäuschung. Sie hatten ein Kind adoptieren wollen, doch bei den Vermittlungsstellen ernteten die Bredendieks nur Absagen, die unter anderem mit ihrem zu hohen Alter begründet wurden. Obwohl schließlich doch ein Säugling in ihre Wohnung einzog, kam es nicht zum erhofften Happy End. "Die Mutter wollte ihr Kind zurück, um es nach Polen zu verkaufen", erinnert sich Christine Bredendiek. Die kirchliche Vermittlungsstelle habe nicht eingegriffen. "Da haben wir uns gesagt 'Nicht jammern, anders machen'." Die Idee für die erste nicht-staatliche, weltanschaulich und politisch ungebundene Adoptionsvermittlung in Deutschland war geboren.

Seit rund einem Jahr berät der Bochumer "Findefux" nun schwangere Frauen aus ganz Deutschland, die ihr Kind nicht behalten wollen. "Mehr als die Hälfte der Frauen gibt ihr Kind am Ende doch nicht ab, weil wir ihnen Wege zeigen konnten, wie sie das Leben mit dem Kind meistern könnten", berichtet Rüdiger Bredendiek, der als Vorsitzender des Fördervereins "Stiftung Wunschkinder" für die Finanzierung der neuen Vermittlungsstelle zuständig ist. Die anderen Frauen, die keine Möglichkeit für ein gemeinsames Leben sähen, gäben ihre Kinder zur Adoption frei.Die darauf aufbauende Vermittlungsidee der Bredendieks war von Anfang an von Erfolg gekrönt. "Die adoptionswilligen Paare rennen uns förmlich die Bude ein", sagt Rüdiger Bredendiek. Schon drei Jahre bevor "Findefux" im Juni 2006 durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe die staatliche Anerkennung erhalten habe, seien die ersten Anfragen eingegangen. Allein in diesem Jahr hätten sich rund 100 Paare für eine Adoption interessiert, etwa 20 von ihnen seien inzwischen in eine Kartei als potenzielle Ersatzeltern aufgenommen worden.Bis zur Aufnahme in den Karteikasten ist es jedoch ein langer Weg. Wer sich um eine Adoption bewerben will, muss nicht nur Belege über seine finanzielle, familiäre und wohnräumliche Situation bringen. "Wir kontrollieren auch genau, ob jemand schon einmal Probleme mit dem Jugendamt, der Polizei oder Drogen hatte", erläutert Christine Bredendiek, die Vorsitzende des Vereins "Findefux". Die Vorsicht hat offenbar ihren Grund. "Es gibt Fälle, in denen sich Eltern um ein Adoptivkind bemüht haben, nachdem ihnen die eigenen Kinder wegen Misshandlungen weggenommen wurden", berichtet die "Findefux"-Vorsitzende.Wie viele schwangere Frauen in diesem Jahr beraten und wie viele Kinder letztendlich vermittelt wurden, wollen die Bredendieks nicht sagen. "Wir wollen keine Konkurrenz zum Jugendamt aufbauen", sagt Rüdiger Bredendiek zur Begründung. Eines stehe jedoch fest: "Der Landschaftsverband hatte zu uns gesagt: 'In zehn Jahren werdet ihr kein einziges Kind vermitteln.' Das haben wir im ersten Halbjahr bereits widerlegt."Deutschlandweit wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr 4748 Kinder und Jugendliche adoptiert, 1181 davon in NRW. In mehr als der Hälfte der Fälle waren Stiefelternteile oder andere Verwandte die Adoptierenden. Insgesamt lagen den Vermittlungsstellen 9154 Adoptionsbewerbungen vor, 2237 waren es in Nordrhein-Westfalen.Meist wünsche sich die Mutter, dass ihr Kind in eine andere Stadt vermittelt werde, sagt Christine Bredendiek. "Die Frauen wollen nicht durch die Stadt laufen und ständig überlegen: 'Ist das mein Kind, das ich da sehe?'" Auf solche Wünsche nehme die deutschlandweit agierende Vermittlungsstelle ebenso Rücksicht wie auf Wünsche nach der Unterbringung des Kindes.Wenn eine Mutter wolle, dass ihr Kind mit vielen Tieren, einer Schwester und einem musikalischen Vater aufwachse, dann suche "Findefux" nach einer entsprechenden Familie, sagt Christine Bredendiek. "Die Mutter hat ihre Gründe für ihre Wünsche. Und sie kann sich später sagen: 'Ich habe meinem Kind noch etwas Gutes mit auf den Weg gegeben.'"

Tonia Haag