16.10.2007

Merkel: Bildung und Integration zwei Seiten einer Medaille Integration als ethischer Imperativ

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zu größeren Bildungsanstrengungen für Migranten aufgerufen. Integration und Bildung seien zwei Seiten einer Medaille, sagte sie am Dienstag in Berlin. Wesentlich sei dabei, die Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Bildungschancen in Deutschland zu durchbrechen. Keiner dürfe zurückgelassen werden. Eine Studie hat den Zusammenhang zwischen Bildung und Integrationsbereitschaft nachgewiesen.

Alle müssten am Bildungssystem teilhaben, betonte die Kanzlerin. Dabei würdigte sie die Bedeutung von Stiftungen und Schulen für Bildung und Integration. Von den 15.000 deutschen Stiftung befassten sich allein 3.000 mit Bildungsförderung. An den Schulen hätten inzwischen teilweise über die Hälfte der Schüler einen Migrationshintergrund. In diesem Zusammenhang hob Merkel das duale Ausbildungssystem als weltweit beispielhaft hervor. Positiv wertete sie auch Reformanstrengungen nach den negativen Ergebnissen der internationalen Bildungsstudie Pisa. Dabei nannte sie die Einführung einheitlicher Bildungsstandards sowie die frühkindliche Förderung. Merkel äußerte sich zum Auftakt des zweitägigen Symposiums "Integration durch Bildung im 21. Jahrhundert" im Auswärtigen Amt.Integration als ethischer ImperativDer Präsident der Europäischen Kommission, Jose Manuel Barroso, nannte die Integration von Migranten als wesentliche Aufgabe für Europa. Integration sei kein Luxus, sondern ein wirtschaftlicher, sozialer und ethischer Imperativ für die Migranten wie für die Aufnahmegesellschaft. Dabei müssten sich die Migranten den bürgerlichen Werten Europas verpflichtet sehen. Der EU-Kommissionspräsident warnte aber auch vor Fremdenfeindlichkeit. Europa sei mehr als ein Wirtschaftsraum, es sei auch eine Wertegemeinschaft. Wesentlich gehöre dazu die Toleranz. Die Kommission hat laut Barroso einen Fonds von 825 Millionen Euro für die Integration in den kommenden Jahren aufgelegt.Microsoft-Begründer Bill Gates betonte in einer Live-Übertragung aus den USA, dass im Rahmen der Globalisierung jeder am Nutzen des Fortschritts teilhaben müsse. Das gelte vor allem für Minderheiten und Migranten. Eine wesentliche Möglichkeit zur Förderung dieses Anliegens sei die Zusammenarbeit von öffentlichem und privatem Sektor. Dabei hätten in den USA Stiftungen eine wesentliche Rolle. Gates hob zugleich die Bedeutung der Migration für den Erfolg von Wirtschaft und Forschung in den USA hervor.