15.10.2007

ZdK: Neubauten selbstverständlich - Bischöfe Mixa und Huber gegen Selbstdarstellung der Muslime Debatte um Moscheen in Deutschland

Der Augsburger Bischof Walter Mixa und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber haben sich kritisch zu repräsentativen Moscheebauten geäußert. Den Wunsch von Muslimen in Deutschland danach nannte Mixa laut dem Kölner Stadtanzeiger "verkehrt". Er sei gegen eine "demonstrative Selbstdarstellung" der Muslime. Auch Bischof Huber sprach sich gegen eine "Machtdarstellung" aus. ZdK-Präsident Meyer nennt die Neubauten dagegen "selbstverständlich".

Christlich-islamischer Dialog "ohne Blauäugigkeit"Islamische Gebetsstätten dürfe es nicht nur in Hinterhöfen geben, die Muslime hätten ein Recht auf "würdige Gotteshäuser", sagte ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Zugleich müsse bei einem Moscheebau berücksichtigt werden, dass dieser sich in das geschichtlich gewachsene Bild der Stadt einfügt.Meyer sprach sich dafür aus, gegenüber dem Islam in Deutschland ohne Zugeständnisse an allen westlichen Grundwerten festzuhalten, zugleich aber Traditionen der Muslime zu respektieren und zu tolerieren. Dazu gehöre auch das Tragen von Kopftüchern. "Die Zeiten, in denen es für eine Frau selbstverständlich war, nicht mit Hosen und nur mit Kopfbedeckung den Gottesdienst zu besuchen, ist ja auch in der katholischen Kirche noch nicht so lange her", betonte der ZdK-Präsident. Wichtig sei es, einen Islam in Westeuropa zu fördern, der von Freiheit und Toleranz geprägt sei. "Dazu wollen wir beitragen", sagte Meyer. Der christlich-islamische Dialog stehe erst am Anfang und müsse "ohne irgendwelche Blauäugigkeit" geführt werden.Islamistan gemeinsam bekämpfenDer Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, verwies auf die Bedeutung angemessener Moscheen für die Integration: "Islamisten können wir aber nur gemeinsam mit den Muslimen in den Moscheen bekämpfen."Es geht um Parkplatzmangel und VandalismusDer Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Heiner Bielefeldt, warnte davor, Konflikte um Moscheebauten gleich als grundsätzliche kulturelle Konflikte zu bewerten. In den Auseinandersetzungen gehe es eher um notorischen Parkplatz-Mangel oder alltäglich erfahrenen Vandalismus in "abgehängten"Stadtvierteln als um die Verteidigung des dreieinigen Gottes gegen die islamische Variante des Monotheismus, meinte er. Wer solche örtlichen Probleme "als Religionskonflikte zwischen Christen und Muslimen beschreibt, greift daneben".Der Zentralrat der Ex-Muslime warnte vor einer falsch verstandenen Toleranz, die den machtpolitischen Hintergrund der Moscheebauten verharmlose und Parallelgesellschaften noch festige statt sie aufzubrechen.Bischof Huber gegen MachtansprücheDer Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, hat sich grundsätzlich für den Bau von Moscheen in Deutschland ausgesprochen. Es sei besser, Muslime beteten in Moscheen als in Hinterhof-Betstätten, sagte Huber am Montag in Berlin. Derzeit gebe es eine "groß angelegte Moscheebau-Initiative". Vor diesem Hintergrund sei die Frage erlaubt, inwieweit dies eine "Befriedigung religiöser Bedürfnisse" sei und inwiefern "hier Machtansprüche zum Ausdruck kommen". Zurzeit seien mehr Moscheen geplant oder im Bau als bereits in Deutschland vorhanden.Die evangelische Kirche habe immer wieder klar gesagt, dass die Religionsfreiheit auch die Freiheit Andersgläubiger sei. Er betonte erneut, kritische Fragen dürften dabei aber nicht ausgeklammert werden.Kardinal Lehmann für offene DiskussionIn der vergangenen Woche hatte schon Kardinal Karl Lehmann erklärt, die Religionsfreiheit schütze auch das Recht der Muslime, würdige Moscheen in den Gegenden zu bauen, in denen sie leben. Solche Bauplanungen sollten langfristig angegangen und durch intensive Diskussionen mit der Wohnbevölkerung und den Behörden vorbereitet werden. Dabei sei auch über Probleme bei der Auswahl des Standortes und über Fragen der architektonischen Gestaltung offen zu sprechen.