11.10.2007

Theologe zum Zweiten Vatikanischen Konzil "Öffnung gegenüber der Welt"

Vor 45 Jahren wurde das Zweite Vatikanische Konzil eröffnet. "Das war eine grundlegende Öffnung gegenüber der Welt", sagt Peter Hünermann, bis 1997 Dogmatik-Professor in Tübingen. Im domradio-Interview bewertet er deshalb die Liturgiereform von diesem Jahr kritisch.

Grundlegende ErrungenschaftenDie Stimmung vor dem Konzil beschreibt Hünermann als "erwartungsvoll" - vor allem auf Seiten der Laien und Wissenschaftler. Bei den Bischöfen weltweit dagegen habe Sorge vorgeherrscht. "Dennoch setzte sich allmählich der Erwartungsgeist durch und erfüllte die Kirche."Grundlegende Errungenschaften des Konzils seien bis heute "eine grundlegende Öffnung gegenüber der Welt, eine starke Betonung der Eigenverantwortung der Bischöfe und der Bischofskonferenzen, ein Wahrnehmen der kulturellen Vielfalt und dem entsprechend die Liturgiereform, ein neues Konzept der Ökumene und eine neue Verantwortung der Laien in der Kirche"."Ich verstehe den Schritt des Papstes nicht"An Josef Ratzinger erinnert sich der Wissenschaftler als jungen Theologen, der damals sehr stark mitgewirkt habe. Nach dem Konzil habe er jedoch "eine gewisse konservative Wende" durchgemacht. "Ich verstehe, dass er als alter Mann auch voll Sehnsucht an seine Jugend und das katholische Milieu zurückdenkt."Vor dem Hintergrund der Liturgiereform dieses Jahres sagt Hünermann:  "Ich verstehe den Schritt des Papstes nicht ganz. Die entsprechenden Bestrebungen, die nach dem Konzil auftraten, wurden von sehr kleinen nostalgisch gesinnten Gruppen vorangetrieben. Ich glaube nicht, dass sich durchsetzen wird, dass Messen wieder nach alten Riten gefeiert werden."Bischöfe aus 133 Ländern waren anwesendDas Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) hat die katholische Kirche in eine neue Zeit führen und neue Impulse für die Einheit der Christen geben wollen. Die ganze Wahrheit des Glaubens sollte auf eine neue Art ausgesagt werden. Auch für eine Aussöhnung von Kirche und Judentum wurde eine neue Grundlage geschaffen. Papst Johannes XXIII. hatte das Konzil 1959, kurz nach seiner Wahl, angekündigt. Es begann am 11. Oktober 1962 und endete nach vier Sitzungsperioden vor 40 Jahren, am 8. Dezember 1965.In einer großen Prozession zogen am 11. Oktober die Konzilsväter in den Petersdom in Rom ein. Bischöfe aus 133 Ländern waren anwesend. Das Innere des Petersdoms war zu einer großen Konzilsaula umgebaut worden. Das bisher letzte ökumenische Konzil In dieser Zeit erarbeiteten die 2.850 Konzilsväter 16 Dokumente: vier Konstitutionen, neun Dekrete und drei Erklärungen. Schlüsseldokumente sind die Konstitutionen. Eine formulierte mit dem Bild der Kirche als dem pilgernden Volk Gottes ein neues Kirchenverständnis, wonach jeder Einzelne Mitverantwortung trägt. Aus der Konstitution über die Liturgie erwuchs eine Reform des Gottesdienstes und der Sakramente sowie die Einführung der Volkssprache anstelle des Latein. In der Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute äußerte sich das Konzil zu den Problemen der Moderne. Die vierte Konstitution ebnete einer modernen Erforschung der Bibel den Weg.Das Zweite Vatikanum war das 21. und bisher letzte ökumenische Konzil der katholischen Kirche. An den Sitzungen im Petersdom nahmen auch mehr als 100 Beobachter nichtkatholischer Kirchen und Gemeinschaften teil.Lehman: Zweites Vatikanisches Konzil war Segen für die KircheDer Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, bezeichnete das Zweite Vatikanische Konzil als "Segen für die Kirche" bezeichnet. "In den 60-er Jahren war es höchste Zeit, die vielen am Ende der Neuzeit angestauten Probleme zur Sprache zu bringen und zu entwirren", erklärte Lehmann vor fünf Jahren anlässlich des 40. Jahrestages der Konzilseröffnung. Als wichtigstes Vermächtnis der Versammlung von Bischöfen und Kardinälen aus aller Welt von 1962 bis 1965 nannte Lehmann "die Ermutigung, sich auf alle Fragen der Gegenwart einzulassen". Papst Johannes Paul II. bezeichnete 2002 die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) als "richtungweisend" für die katholischen Gläubigen des dritten Jahrtausends.

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