02.10.2007

Verlage beobachten "Schrumpfungsprozess" der theologischen Fachliteratur Weniger Platz in den Regalen

Die wissenschaftliche theologische Literatur befindet sich Experten zufolge zurzeit in einem "Schrumpfungsprozess". "Der Fachmarkt für wissenschaftliche Theologie ist insgesamt rückläufig", sagte Christine Weis vom Herder-Verlag in Freiburg dem epd. Für Exegese oder Dogmatik gebe es in Buchhandlungen weniger Platz in den Regalen.

Diese Entwicklung bestätigte auch Diedrich Steen vom Gütersloher Verlagshaus. Grund seien zum einen anhaltend niedrige Zahlen der Theologiestudierenden, so Steen. Zum anderen stünden die theologischen Fakultäten und Fachbibliotheken unter einem hohen finanziellen Druck, so der Programmleiter des Gütersloher Verlagshauses für den Bereich Wissenschaft und Theologie. Hinzu komme ein Wandel im Umgang mit der Fachliteratur bei den Studierenden, fügte Steen hinzu. Als Beispiele nannte er unter anderem das Internet als Konkurrenz aber auch eine Abnahme der Lesekultur im akademischen Bereich. "Sie werden heute kaum noch einen Landpfarrer finden, der über ein Studierzimmer verfügt." Das sei auch am Verkauf in dieser Sparte abzulesen.Religiöse Themen verstärkt im säkularen BereichFür Herder zähle dieser Bereich "nach wie vor zum Kerngeschäft, das Titelvolumen ist konstant geblieben und der Verlag ist im Bereich katholische Theologie marktführend", so Weis. Herder mache über 20 Prozent des Gesamtumsatzes mit dem stationären Buchhandel im konfessionellen Sortiment. Dabei sei auch ein verstärktes Interesse an religiösen Themen im säkularen Bereich feststellbar, was sich besonders an den Büchern von Papst Benedikt XVI., speziell sein Buch "Jesus von Nazareth", dass seit 23 Wochen auf der Bestsellerliste steht, zeige. Religiöse Literatur sei nicht so wenig gefragt wie zumeist angenommen. "Das ist ein gängiges Vorurteil, das nicht den Markt widerspiegelt", so Branchenkenner Gunther Roßmüller. Themen wie Frömmigkeit tauchten mittlerweile auch in den Programmen nichtkonfessioneller Verlage auf.Das Interesse an wissenschaftlicher Theologie bestehe durchaus, bekräftigte auch Steen. Es gebe allerdings im Augenblick nur wenige Theologen, die in der Lage sind, eine "intellektuell verantwortete Glaubenspraxis" ohne einen "dogmatischen Habitus" zu vermitteln. Nur wenigen gelinge es, religiöse Grundfragen in persönlicher Form zu beschreiben. Ein positives Beispiel, wenn auch nicht aus dem Bereich der wissenschaftlichen Literatur, sei hier das Pilger-Buch von Hape Kerkeling, das über zwei Millionen Mal verkauft wurde.Verlagsprofile "weichen auf"Die Profile der kirchlichen und weltlichen Verlage nähern sich nach Einschätzung des Roßmüller immer weiter an. Er beobachte weitgehende Programmveränderungen schon seit Jahren, sagte der Geschäftsführer der Vereinigung Evangelischer Buchhändler und Verleger dem epd. "Die Marktöffnung ist verhängnisvoll für die traditionellen theologischen Verlagsprofile", bedauerte Roßmüller. Jordan Asshoff, Sprecher des christlichen R. Brockhaus Verlags, sieht in dieser Entwicklung den steigenden Konkurrenzdruck: "Theologische und säkulare Verlage versuchen sich gegenseitig das Wasser abzugraben." Verändertes Leserinteresse führt Roßmüller zufolge zu den Aufweichungen der Verlagsprofile. Derzeit sei Literatur zu Themen wie Wellness, Esoterik und Buddhismus stark gefragt. Auch Biografien als Ratgeber, zum Beispiel im Bereich "bewusster Leben", lägen im Trend.