01.10.2007

Der Berliner Erzbischof zum Tag der Deutschen Einheit - Ostalgie ist dumm und gefährlich. Kein "Spaß bei Mielke"

Über den Betten hängen Honecker-Bilder. Die so genannte Stasi-Suite wirbt mit Original-Möbeln aus der einstigen Regierungssiedlung Wandlitz. In einem Plattenbau am Ostbahnhof gibt es das „Ostel“, ein Hotel im DDR-Design. Dessen Betreiber, vermutlich von jeglicher historischer Kenntnis ungetrübt, finden es „witzig“. Andere nicht. Bürgerrechtler zum Beispiel nicht, die sich verhöhnt fühlen. Unter einem solchem Honecker-Bild wurden sie in Hohenschönhausen von der Stasi verhört und verurteilt.
Kardinal Sterzinsky, heute Erzbischof von Berlin ist in der DDR aufgewachsen. Achtzehn Jahre nach dem Fall der Mauer warnt der Erzbischof vor der Verharmlosung der DDR.

Natürlich ist gegen die Pflege der DDR-Alltagskultur nichts einzuwenden. Wer es mag, soll sich an einer „Trabant-Safari" oder am Sofakissen mit Ampelmännchen-Motiv erfreuen. Doch diese Art von Ostalgie, wie sie im „DDR-Hotel" betrieben wird, ist nicht nur atemberaubend dumm - sie ist gefährlich. Mit „Spaß bei Mielke" das Ministerium für Staatssicherheit derart zu verharmlosen, ist unerträglich. Denn: So tritt an die Stelle der Vergangenheitsbewältigung eine Verklärung der DDR - ohne die zum Beispiel die Wahlerfolge der SED-Erben nicht zu erklären sind: „Es war doch nicht alles schlecht". Doch, es war schlimmAnstatt das Bewusstsein für ein totalitäres System zu schärfen, werden Verbrechen heruntergespielt. Über die jüngste Vergangenheit wird der Mantel des „War-doch-alles-nicht-so-schlimm" gebreitet. Doch, es war schlimm. Und derartige Geschichtsblindheit ist gefährlich. Denn sie trägt den Keim der Wiederholung in sich. Ich bin in der DDR zur Schule gegangen, habe in der DDR gelebt, bis sie weggefegt wurde. Dieser Staat war nicht das „etwas andere Deutschland", irgendwie „putzig" mit den Pappautos und dem Sandmännchen. Die DDR war eine Diktatur, die mit spürbarer Härte einer Ideologie folgte und Unrecht in Kauf nahm. Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Geschichte ist daher dringend geboten. Historische Blindheit ist gefährlich. Am Tag der Deutschen Einheit muss vor ihren Risiken und Nebenwirkungen eindringlich gewarnt werden.Kardinal Sterzinsky, Erzbischof von Berlin

Quelle: Erzbistum Berlin