10.09.2007

UN-Wüstenkonferenz streitet um Strategieplan Kampf gegen den Sand

Die fruchtbaren Ackerflächen schrumpfen weltweit jährlich um 120.000 Quadratkilometer. Auch zwölf Prozent Europas droht die Versandung. Auf der UN-Wüstenkonferenz in Madrid wollen die Vereinten Nationen eine gemeinsame Strategie gegen die Wüstenbildung (Desertifikation) verabschieden. Doch einige Staaten, wie die USA oder Japan, wollten keine weiteren Debatten über einen vorliegenden Strategieplan zulassen.

Umstritten ist vor allem, welche konkreten Ziele in dem Dokument vereinbart werden sollen. Die 191 Vertragsstaaten der UN-Konvention gegen die Desertifikation von 1994 tagen noch bis Freitag in der spanischen Hauptstadt. Theo Oberhuber von der spanischen Organisation "Umweltschützer in Aktion" erklärte dem epd, Mexiko habe als Ziel vorgeschlagen, den jährlichen Verlust an fruchtbaren Böden weltweit um mindestens zehn Prozent einzudämmen.Auch China, Marokko, Südafrika, Chile und der Iran wollen demnach konkrete Ziele in den Strategieplan aufnehmen. Oberhuber forderte zudem Mitspracherechte von gesellschaftlichen Gruppen bei den Entscheidungen des in Bonn beheimateten Sekretariats der Konvention. "Bisher ist das eine sehr undemokratische Organisation", kritisierte er.Die deutsche Delegation reagierte auf den mexikanischen Vorschlag zurückhaltend. Sie befürchtet, ein konkretes Ziel zur Reduzierung könnte erneut wissenschaftliche Grundsatzdebatten über die Desertifikation entfachen und Fortschritte in der Bekämpfung verhindern. Im Gegensatz zur Emission von Treibhausgasen sei leichte, mittlere oder schwere Desertifikation nur schwer messbar.Kritik an bisheriger ArbeitDeutsche Delegierte äußerten aber die Hoffnung, einen Konsens bei Verpflichtungen und Handlungsaufträgen zu erreichen. Einigkeit herrsche in der Kritik an der bisherigen Arbeit des Sekretariats. "Der Leidensdruck ist bei allen sehr hoch", sagte Anneke Trux von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Sie kritisierte vor allem den wissenschaftlichen Beirat, dessen Vorlagen als politische Handlungsgrundlagen oft unzureichend seien.Der Begriff Desertifikation steht für das Veröden von Landstrichen durch zu intensive Nutzung durch den Menschen. Der Klimawandel verstärkt dieses Phänomen. Schätzungen zufolge schrumpfen die fruchtbaren Ackerflächen weltweit jährlich um 120.000 Quadratkilometer. Die Ausbreitung der Wüsten bedroht mehr als eine Milliarde Menschen, vor allem in den ärmsten Staaten der Welt. Aber auch zwölf Prozent Europas gelten als betroffen.