03.09.2007

Tausende Missionare der Nächstenliebe setzen das Werk der Nonne fort Mutter Teresas Erbe liegt in guten Händen

Am Mittwoch jährt sich der Todestag von Mutter Teresa zum zehnten Mal. domradio erinnert in den kommenden Tagen an die selige Ordensgründerin. Heute: Mutter Teresas Erbe liegt in guten Händen - Tausende Missionare der Nächstenliebe setzen das Werk der Nonne fort.

"Wir sind keine Sozialarbeiter. Wir verrichten Gottes Werk und bringen die Ärmsten der Armen Gott nahe." Diese Sätze könnten fast wörtlich von Mutter Teresa stammen, die vor zehn Jahren, am 5. September 1997, im Alter von 87 Jahren in Kalkutta starb. Doch die Aussage kommt von Bruder Jerry Michael M.C., der im Deep Ashram, dem "Haus des Lichts" in Gurgaon, geistig behinderte Waisenjungen betreut. "Sie haben niemanden außer Gott, Jesus und uns. Wir widmen ihnen unser Leben", sagt der 35 Jahre alte Bruder Jerry. Die Schwestern und Brüder der Nächstenliebe setzen das Werk der Ordensgründerin fort.Was Mutter Teresas Nachfolgerin, Schwester Nirmala, vor zehn Jahren versprach, haben die Missionare gehalten: "Die Menschen werden ihr Vertrauen in uns nicht verlieren." Die Nachricht vom Tod der bescheidenen und energischen Nonne hatte weltweit Betroffenheit ausgelöst. Zur Beisetzung von Mutter Teresa kamen Staatsmänner aus aller Welt und würdigten ihr Lebenswerk.Hunderttausende Trauernde erwiesen ihr die letzte Ehre, als der Sarg auf der gleichen Lafette, auf der einst Mahatma Gandhi und Jawaharlal Nehru zur Bestattung gebracht wurden, durch die Straßen Kalkuttas fuhr. Als "Apostel der Liebe", "größte Sozialarbeiterin aller Zeiten" und "Messias der Armen" wurde sie gelobt.Auch ein Jahrzehnt nach ihrem Tod ist Mutter Teresas Name ein Begriff. In Indien ist sie laut einer Umfrage die bedeutendste Persönlichkeit des Landes nach Mahatma Gandhi. Die Inder haben längst vergessen, dass Mutter Teresa am 26. August 1910 als Agnes Bojaxhiu in der mazedonischen Stadt Skopje geboren wurde, die damals zum Königreich Albanien gehörte. Sie kam 1928 nach Indien und nahm 1947 kurz nach der Unabhängigkeit die indische Staatsbürgerschaft an.Für die Inder war sie niemals eine Ausländerin. In Darjeeling begann sie bei den Loreto-Schwestern ihr Leben als Novizin und wurde danach an die Konventschule St. Mary's nach Kalkutta geschickt. Dort war sie17 Jahre lang als Lehrerin und Schulleiterin tätig. Im September 1949 vernahm sie den "Ruf Gottes", in Armut zu leben und den Armen zu dienen. Ihr Wirken konzentrierte sich fortan auf die Slums derMillionen-Metropole: die Verstoßenen, Hungernden, Kranken, Obdachlosen, Blinden, Leprakranken und die Sterbenden. In deren Namen nahm sie 1979 den Friedensnobelpreis an.Mit einem "Besitz" von drei Saris und fünf Rupien gründete sie die eigene Kongregation "Missionarinnen der Nächstenliebe". Sie baute über alle Konfessionsschranken hinweg erst in Kalkutta eine Schule auf. Hinzu kamen das "Heim des reinen Herzens", Nirmal Hriday, für Sterbende und dann in verschiedenen Landesteilen ein beispielhaftes religiös-soziales Netzwerk.Ihr Biograf Navin Chawla schrieb dazu: "Für Mutter Teresa ist Nächstenliebe die Liebe zu Gott. Sie versteht sich als Werkzeug in der Hand Gottes." Trotz ihrer Samariterdienste geriet sie auch in die Kritik. Abtreibungen bezeichnete sie als Perversion. "Gebt uns die ungewollten Kinder zur Adoption", bot sie an. Medien warfen ihr eine "Vorliebe für Diktatoren" vor, weil sie am Grab des albanischen Herrschers Enver Hodscha Blumen niederlegte und Kontakte zu Diktatoren wie Nicolae Ceausescu und Jean-Claude Duvalier nicht scheute.Britische Journalisten verunglimpften Mutter Teresa als "religiöse Fundamentalistin, die sich als "Glamourgirl der Armut" gefalle. Mit Politik wollte die Ordensvorsteherin nichts zu tun haben. Das Erbe der Mutter Teresa liegt bei rund 5.000 Schwestern und Brüdern sowie einer halben Million Freiwilligen, die in 120 Ländern Bedürftigen helfen, in guten Händen. Zu ihrer Hinterlassenschaft gehören Krankenhäuser und Waisenheime, Armenküchen, Schulen und Kindergärten, Zentren für Obdachlose, Süchtige sowie für Lepra- und Aids-Kranke.Im Haus des Lichts in Gurgaon, 20 Kilometer von Delhi entfernt, gibt Bruder Jerry den Besuchern Sätze von Mutter Teresa mit auf den Weg:"Es ist nicht wichtig, wie viel wir tun, sondern wie viel Liebe wir in das stecken, was wir tun... Heutzutage ist die Menschheit nicht nur hungrig nach Brot, sondern auch nach Liebe, hungrig danach, geliebt zu werden."