02.09.2007

Präses Schneider zum 60. Geburtstag - im domradio spricht er über Glaubenszweifel und die Ökumene "Auf und Ab - auch im Glauben"

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, wurde am Montag 60 Jahre alt. Im domradio-Interview spricht er über seinen Weg zum Glauben. "Das war nicht selbstverständlich." Außerdem, verrät er, habe er auf seinem Weg auch Zeiten des Zweifelns erlebt.

"Glaube heißt nicht: wir leben auf der Autobahn"Als Sohn eines Stahlarbeiters im Ruhrgebiet sei er nicht automatisch mit bestimmten Glaubensvorstellungen aufgewachsen, so Schneider. Deshalb habe er sich auf einem ganz anderen Weg mit Fragen des Glaubens auseinandergesetzt. Zweifel seien ihm dabei immer wieder gekommen. Schon zu Studienzeiten, später dann in der Gemeinde. Schneider: "Wenn Menschen gestorben sind in Zeiten, wo sie eigentlich nicht dran waren, Jugendliche, Kinder oder schlimme Unfälle", dann habe er aber die Erfahrung gemacht, "dass Glaube nicht heißt, wir leben auf der Autobahn, sondern dass es auch im Glauben auf und ab geht." Mit Blick auf die Ökumene sagte Schneider, dass der Dialog zwischen den Kirchen inzwischen bei Fragen angekommen sei, die an das jeweilige Selbstverständnis der Kirchen stoße. Man brauche jetzt Behutsamkeit, langen Atem und eine Freundlichkeit, die sich nicht so schnell erschüttern ließe. Um die Zukunft der Evangelischen Kirche ist Schneider nicht besorgt: "Natürlich müssen wir uns darauf einstellen, dass auf Grund der Demographie die Zahl der Mitglieder zurückgeht und dadurch auch die materiellen Ressourcen." Eine solche Zeit sei aber immer ein guter Anlass sich klar zu werden, wozu die Kirche da ist und was ihre Stärken sind. Symposium am 60.: Kölner Kardinal räumt Probleme in der Ökumene einAus Anlass des 60. Geburtstages veranstaltete die zweitgrößte deutsche Landeskirche ein Symposium über das Verhältnis von Kirche, Staat und Gesellschaft, an dem der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, und der Kölner Erzbischof Meisner teilnahmen.Meisner sprach sich am Montag auf dem Symposium für eine "geistliche Ökumene" aus. Vielleicht brächten Gebet und Fürbitte die Konfessionen in ihrem Miteinander weiter "als nur Debatten und Diskussionen", sagte Meisner. Skeptisch äußerte er sich erneut zu einer "Ökumene der Profile", wie sie der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, angeregt hatte. Zwar müsse das jeweilige Profil sichtbar sein, sagte Meisner vor führenden Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche. Doch dürfe der Respekt vor der Überzeugung des anderen "nicht untergehen". Der Kölner Erzbischof räumte ein, dass die Ökumene derzeit "eine schwierige Zeit" durchmache. Sozialethiker und MahnerSchneider steht als Nachfolger von Manfred Kock seit viereinhalb Jahren als Präses an der Spitze der 2,92 Millionen Protestanten zwischen zwischen Niederrhein und Saar. Seit November 2003 gehört er auch dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an. Zudem ist er seit November 2005 Aufsichtsratsvorsitzender des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED).Einen Namen machte sich der Theologe, der selbst aus einfachen Verhältnissen stammt, in seiner bisherigen Amtszeit vor allem als Sozialethiker. Er kritisierte wiederholt die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland sowie weltweit und setzte sich für eine gerechtere Lastenverteilung ein.Geboren wurde Nikolaus Schneider am 3. September 1947 in Duisburg als Sohn eines Stahlarbeiters. Nach dem Theologie-Studium in Wuppertal, Göttingen und Münster wurde er 1976 Gemeindepfarrer in Duisburg-Rheinhausen und 1984 Diakoniepfarrer im Kirchenkreis Moers, ab 1987 war er dort Superintendent.Nach dem Wechsel ins Düsseldorfer Landeskirchenamt 1997 war Schneider zunächst als Vizepräses für die über 2.000 Theologen der rheinischen Kirche zuständig. Im Januar 2003 wählte ihn die Landessynode zum Präses. Wichtig sind Schneider neben sozialethischen Fragen auch die Ökumene und der Dialog mit dem Islam. Innerkirchlich muss er vor allem den Umbau der rheinischen Kirche wegen sinkender Einnahmen und Mitgliederzahlen steuern.