24.08.2007

Rund 400 Menschen bei Friedensgebet nach Übergriffen auf Inder Kerzen als Zeichen der Toleranz

Nach den Übergriffen auf acht Inder vor einer Woche haben sich am Samstagabend im sächsischen Mügeln rund 400 Menschen bei einem Friedensgebet gegen Fremdenhass und Gewalt gewendet. Bei der Andacht auf dem Marktplatz wurde die Bitte um Frieden und Versöhnung geäußert, aber auch mangelnde Courage und Unsicherheit in der Stadt beklagt. Die Inder hatten nach Rangeleien bei einem Altstadtfest in einer Pizzeria Zuflucht gesucht und waren dort von rund 50 Deutschen verprügelt worden waren.

Der evangelische Stadtpfarrer Stephan Israel bat in seinem Gebet darum, dass «alle Not und alle Schmerzen gelindert werden». Jugendpfarrer Hans-Jörg Rummel rief dazu auf, alle Schuld vor Gott zu bringen, damit wir nicht unter ihrer Last zusammenbrechen».Der Bürgermeister von Mügeln, Gotthard Deuse (FDP), distanzierte sich in einer Ansprache von der Gewalt. Sie sei nicht exemplarisch für die Einstellung der Mügelner Bevölkerung gegenüber fremden Gästen. Unter Beifall kritisierte er zudem, dass Medien die Bürger Stadt vorverurteilt hätten.Nach der Andacht zogen etwa 200 Menschen mit brennenden Kerzen durch die Stadt zu der Pizzeria, in der am Sonntag vor acht Tagen die Gruppe Inder vergeblich Schutz gesucht hatte. Vor dem Lokal stellten zahlreiche Teilnehmer brennende Kerzen als Zeichen der Verbundenheit auf. Innen übergaben der CDU-Bundestagsabgeordnete Manfred Kolbe, Bürgermeister Deuse und Pfarrer Israel einen Blumenstrauß an indische Angestellte als Zeichen des Willkommens.Zu dem Friedensgebet hatte die evangelische Kirchgemeinde eingeladen, die sich nach den Übergriffen bestürzt und beschämt über die Ereignisse geäußert hatte. Unabhängig von der Herkunft verdiene jeder Mensch als Geschöpf Gottes dieselbe Achtung, hieß es in einer Erklärung der Gemeinde. Die Gewalttätigkeiten, die von fremdenfeindlichen Parolen begleitet wurden, waren erst von der Polizei beendet worden. Eine 26-köpfige Sonderkommission der Polizei sowie die Staatsanwaltschaft ermitteln wegen Landfriedensbruchs gegen mehrere Tatverdächtige.