24.07.2007

Repräsentanten der Friedensdörfer in Kolumbien ermordet Inseln des Friedens bedroht

Seit 40 Jahren herrscht in Kolumbien Bürgerkrieg und ein Ende ist nicht in Sicht. Allein in den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden dabei nach Angaben von Menschenrechtlern etwa 70.000 Menschen getötet, die meisten von ihnen Zivilisten. In fünfzig Friedensdörfern wehren sich Gemeinden gegen den Bürgerkrieg - mit strikter Neutralität. Die Initiative Aachener Friedenspreis will die Friedensdörfer am 1. September auszeichnen.

Lebensgefährliche NeutralitätDie strikte Neutralität, die sich die Gemeinde verordnet hat, wird von den Bewaffneten nicht akzeptiert. 164 Mitglieder hat San José seit ihrer Gründung beerdigen müssen. Ermordet von Paramilitärs, Militärs, Polizei und Guerilla, die um die strategisch wichtige und an Ressourcen reiche Region kämpfen.Auch im Mai und zuletzt am 13. Juli diesen Jahres wurden wieder zwei Repräsentanten der Gemeinde erschossen. Der Mord an Dairo Torres am 13. Juli 2007 ereignete sich wenige Tage nach einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Guerrilla und staatlichen Sicherheitskräften in der Nähe der Friedensgemeinde. Am Vorabend hatten Paramilitärs bereits einen Bus gestoppt und die Gemeindemitglieder von San José verbal bedroht. Die Initiative Aachener Friedenspreis hat jetzt die Aufklärung der jüngsten Morde in San José de Apartadó gefordert. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) solle sich bei der kolumbianischen Regierung dafür einsetzen, dass die Verantwortlichen gefunden und zur Rechenschaft gezogen würden, erklärte der Vereinsvorsitzende Otmar Steinbicker am Montag in Aachen. Schutz durch Öffentlichkeit"In der Zone rund um San José de Apartadó gibt es keinen Frieden, obwohl wir uns nichts anderes wünschen", sagte Jesús Emilio Tuberquia, Mitbegründer der Gemeinde. Schutz bietet bis heute allein die internationale Öffentlichkeit.In San José sind es Freiwillige der Peace Brigades International (PBI), die im Wechsel mit einer US-amerikanischen Begleitorganisation, für permanente internationale Präsenz in dem Friedensdorf sorgen. "Deren Anwesenheit ist ein wesentlicher Grund, weshalb es die Gemeinde noch gibt", sagt Jesús Emilio Tuberquia. Bei einem großen Übergriff im Februar 2005 war Luis Eduardo Guerra, der Führer der Friedensgemeinde, und sieben weitere Menschen, auch Frauen und Kinder, gefoltert und grausam ermordet worden.Vorwürfe gegen Präsident UribeDer Aachener Verein erhebt auch Vorwürfe gegen den kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe. Er behaupte, die Dorfbewohner arbeiteten mit der größten Guerilla-Organisation FARC zusammen. Die wehrlosen Bauern der Kampfgebiete würden so für vogelfrei erklärt. Die Kriegsparteien betrieben eine Politik der verbrannten Erde und versuchten, die umkämpften Gebiete unbewohnbar zu machen.50 Inseln des FriedensFünfzig Gemeinden in Kolumbien haben sich in den letzten zehn Jahren zu Friedensdörfern erklärt. Sie pochen auf ihre Neutralität und wehren sich gegen den anhaltenden Bürgerkrieg. San José de Apartadó war die erste dieser Gemeinden und wurde 1997 von 1350 Menschen gegründet. Stellvertretend für die anderen Gemeinden soll sie den Aachener Friedenspreis erhalten.Zu dem Konzept der Friedensgemeinden gehört neben dem strikten Neutralitätsprinzip im bewaffneten Konflikt, ein Alkoholverbot auf dem Gelände, nachhaltiges Wirtschaften und der Einsatz von regenerativen Energien. Der Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, Träger des Alternativen Nobelpreises, hat die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen.19 Jahre Aachener FriedenspreisDer Aachener Friedenspreis wird seit 1988 an Menschen verliehen, die sich an der Basis für Frieden und Völkerverständigung einsetzen. Im vergangenen Jahr wurde der Verein "Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren" geehrt. Verliehen wird die symbolisch mit 1.000 Euro pro Preisträger dotierte Auszeichnung alljährlich am 1. September, dem Antikriegstag. (dr,epd)