20.07.2007

Dalai Lama spricht sich für Ordination von Frauen aus "Es wird der Tag kommen"

Der Dalai Lama hat sich für eine volle Gleichberechtigung der Nonnen im tibetischen Buddhismus ausgesprochen. "Der Tag wird kommen, an dem die Frauenordination eingeführt wird", sagte er am Freitag in Hamburg. "Auch die römisch-katholische Kirche würde nicht untergehen, wenn sie Frauen ordinierte." - Das weltliche und geistliche Oberhaupt der Tibeter hat am Donnerstag seinen Deutschlandbesuch begonnen.

"Ich selber habe nicht die Macht, das Gelübde einzuführen"Dazu bedürfe es jedoch noch weiterer Forschungen. Hamburgs evangelische Bischöfin Maria Jepsen forderte die katholische Kirche auf, ebenfalls über die Weihe von Frauen nachzudenken.Der Dalai Lama betonte, nach der Lehre des tibetischen Buddhismus könne ein Gelübde von Frauen nicht vor männlichen Ordensoberen abgegeben werden; deshalb sei die Frauenordination derzeit nicht möglich. Diese Lehre müsse aber befolgt werden. Das weltliche und geistliche Oberhaupt der Tibeter rief zu einer eingehenden Diskussion mit Buddhisten in anderen asiatischen Ländern auf, in denen die Frauenordination Tradition hat."Ich selber habe nicht die Macht, das Gelübde einzuführen", so der Dalai Lama. Er könne nur weitere Studien anregen, wie sie seit 30 Jahren bereits durchgeführt würden. Allerdings bestehe kein Zweifel daran, dass Buddha selbst Männern und Frauen dieselben Rechte gegeben habe. Der Dalai Lama sprach vor rund 800 Teilnehmern des dreitägigen Kongresses, der am Mittwoch begonnen hatte.Die volle Ordination buddhistischer Nonnen ist mit der Priesterweihe in der katholischen Kirche vergleichbar. Durch sie könnten Frauen als Lehrerinnen wirken, akademische Grade an den Klosteruniversitäten erlangen und autonome Nonnenkloster gründen. Experten messen der Frage darüber hinaus große Bedeutung für die allgemeine Gleichberechtigung von Frauen in den Ländern mit buddhistischer Tradition bei.Mehr Frauen in FührungspositionenGesellschaftlich gebe es keinen Zweifel, dass "die männliche Dominanz völlig überholt" sei, sagte der Dalai Lama. Sie beruhe auf archaischen Notwendigkeiten einer körperlichen Überlegenheit. In modernen Zeiten dominiere der Maßstab Intelligenz. Hier gebe es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Frauen brächten darüber hinaus weitere Fähigkeiten wie Warmherzigkeit und ein ausgleichendes Wesen ein, die sie zu Führungsaufgaben befähigten. Eine stärkere Präsenz von Frauen in Führungspositionen bezeichnete der Dalai Lama als "absolut wichtig".Jepsen berichtete in einer Grundsatzrede von ihren Erfahrungen als erste lutherische Bischöfin. Sie sei eine der ersten Theologiestudentinnen in Deutschland gewesen, "die nicht an Universitäten als Forscherinnen oder in Bibliotheken bleiben mussten oder Seelsorgerinnen in Anstalten für Frauen oder Religionslehrerinnen wurden". Vielmehr sei sie die erste Pastorin in ihrem Landkreis geworden, später die erste Pröpstin in der Nordelbischen Kirche und gut ein Jahr später erste lutherische Bischöfin weltweit. Für diesen Umbruch innerhalb ihrer Kirche habe es somit nur der Zeitspanne einer Generation bedurft."Manche Tradition erweist sich als papierdünne Wand"Die katholische Kirche solle aus dem päpstlichen Schreiben "Mulieris dignitatem" von 1988 andere Konsequenzen ziehen, als sie es bis heute wage, riet Jepsen. Darin heiße es, dass die Frau wie der Mann "beide in gleichem Maße empfänglich sind für das Geschenk der Wahrheit und Liebe im Heiligen Geiste". Manche unumstößlich scheinende Tradition erweise sich "als papierdünne Wand, die, wenn sie fällt, niemanden gefährdet".Das Oberhaupt der Tibeter war am Donnerstag in Hamburg eingetroffen. In den kommenden Tagen wird er im Tennisstadion am Rothenbaum eine Reihe von Vorträgen über den Buddhismus halten. Es werden rund 30.000 Zuhörer erwartet, darunter zahlreiche Nonnen und Mönche aus asiatischen Ländern sowie aus Europa und den USA. Am 28. Juli reist er nach Freiburg weiter, wo ein Besuch des "Tibet Kailash Hauses" auf dem Programm steht. Der Dalai Lama ist zwar einer der bekanntesten Führer innerhalb des Buddhismus. Er spricht aber nur für die tibetische Tradition. Ein geistliches Oberhaupt aller Buddhisten gibt es nicht.