12.07.2007

Integrationsgipfel: Weihbischof Jaschke im domradio-Interview "So kommen wir nicht weiter"

"Schlagt euch nicht selbst die Tür vor der Nase zu", hieß es aus Reihen der CDU noch vor dem Integrationsgipfel. Auch Weihbischof Hans-Jochen Jaschke zeigte sich besorgt - vor alle wegen der Absage türkischer Verbände. Im domradio sprach Jaschke über Rücksicht, Recht und Pflicht im religiösen Dialog zwischen Christen und Muslimen, über die Zukunft des Islam in einer christlich geprägten Gemeinschaft und die Notwendigkeit der Integration. Seine Einschätzung: "So kommen wir nicht weiter."

"Das ist zum Schaden der türkischen Mitbürger" "Ich kann verstehen dass die politischen Verbände ihre Interessen haben - aber es gibt auch die politischen Interessen des Staates. Ich möchte immer Sorge dafür tragen, dass sich Religion und Politik nicht vermischen", so der Beauftragte der deutschen Bischofskonferenz für den interreligiösen Dialog. Die Tatsache, dass wichtige Teilnehmer den Gipfel boykottieren, sei natürlich ein großer Schaden. "Ich hoffe, dass beide Seiten ihre Lehren daraus ziehen. Einmal die Regierungsseite, die sieht, wie notwendig es ist, ordentliche und verlässliche Dialogpartner auf der Seite des Islam zu haben", so Bischof Jaschke. Aber die andere Seite müsse auch wissen: "Wir kommen so nicht weiter, das ist zum Schaden der türkischen Mitbürger."  "Ich wünsche mir, dass in vernünftiger Weise gespürt wird, integriert zu sein", sagt er weiter. Integriert zu sein heiße ja nicht, geschluckt zu sein von der Mehrheitsbevölkerung.  "Dass wir zusammenleben in einem Staat, dessen Staatsbürger wir alle sind", so sein Wunsch. "Ich möchte auch Religionsunterricht haben auf Dauer für muslimischen Kinder in Anforderung der Moslems auf der Basis der deutschen Sprache mit staatlich anerkannten Lehrern."Das Augenmaß bewahrenIm Hinblick auf die Hoffnung muslimischer Verbände, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts zu werden, vertritt Bischof Jaschke einen eindeutigen Standpunkt: "In der gegenwärtigen Phase sehe ich dieses Ziel noch nicht gekommen, beziehungsweise die Bedingungen dafür noch nicht gegeben."Das Recht auf Religionsfreiheit würde den Muslimen gegeben, so Jaschke. "Nur müssen sie wissen, wir leben hier in einer christlich geprägten Gemeinschaft und da braucht es auch Augenmaß und ordentliche Rücksicht."Christen hätten die Aufgabe, im religiösen Dialog dafür zu sorgen, dass man sich unter Christen und Muslime "vertrage, als religiöse Menschen." Dazu gehöre auch dieses Augenmaß bei Muslimen anzumahnen, im Rahmen zu bleiben. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, Muslime beabsichtigten "rein baulich" einen christlich geprägten Stadtteil zu beherrschen, sagt Bischof Jaschke.Maren Bücher (dr)