03.07.2007

Israels Botschafter: Deutsche müssen Erinnerung wachhalten Ein "richtig guter" Botschafter

Israels scheidender Botschafter Schimon Stein (59) hat die Deutschen aufgerufen, die Gräuel der NS-Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Stein erinnerte bei seiner Verabschiedung am Montagabend in Berlin an den "Abschied" von den Zeitzeugen. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Erinnerung wach bleibt", mahnte er vor zahlreichen Vertretern der Bundespolitik. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dankte dem Botschafter in einer spontanen Erwiderung für sein Wirken und nannte Stein einen "richtig guten" Botschafter.

Stein verwies auf Umfragen, nach denen die Akzeptanz antisemitischer Grundhaltungen in der Bevölkerung wachse.Angesichts dessen seien zusätzliche Anstrengungen in allen Teilen der Gesellschaft erforderlich. Die vergangenen Jahre seien für den Staat Israel und seine Bürger nicht leicht gewesen, sagte er.Sein Bemühen, dies zu verdeutlichen, sei nicht immer auf Verständnis und Sympathie gestoßen. Zugleich zeigte sich der Diplomat tief beeindruckt von seinen fast sechs Jahren in Berlin, die spannend und frustrierend, aber auch bereichernd und aufklärerisch gewesen seien. Diese Zeit habe ihn bereichert, sie sei der Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn. Deutschland sei für Israel ein strategischer und verlässlicher Partner, Israel habe Berlin innerhalb der Europäischen Union viel zu verdanken.Nachdrücklich lobte Stein die kulturelle Vielfalt in Deutschland. Er beneide die Kulturszene um ihre öffentliche Förderung, betonte Stein. Dies sei "kostbar" und müsse bewahrt werden. Kultur sei keine Luxusware. Dem anwesenden Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), bot er an, als Kulturbotschafter für die beeindruckende Kultur der Hauptstadt zu fungieren. Stein besuchte häufig als Privatmann Konzerte in Berlin.Die Bundeskanzlerin würdigte Stein als "richtig guten"Botschafter. "Sie haben es uns in der Tat nicht immer leicht gemacht, aber für die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel war das gut", betonte sie. An dem Empfang nahmen neben zahlreichen Ministern der Bundesregierung unter anderem die Parteispitzen von CDU, SPD, FDP und Grünen, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Alt-Kanzler Helmut Kohl sowie eine Reihe von früheren Bundesministern, darunter Hans-Jochen Vogel, Klaus Kinkel, Otto Schily und Joschka Fischer, teil.Stein, der von 1980 bis 1985 an der Botschaft in Bonn tätig war, kam 2001 an die Spree. Der Historiker ist seit 1974 im diplomatischen Dienst. Sein letzter Arbeitstag in Berlin ist der 31. August.