11.06.2007

Beim Welttag gegen Kinderarbeit steht Landwirtschaft am Pranger 132 Millionen Kinder auf den Feldern dieser Welt

Mehrere Hilfsorganisationen haben auf die anhaltende Ausbeutung von Kindern in der Landwirtschaft aufmerksam gemacht.
Weltweit schufteten rund 132 Millionen Mädchen und Jungen unter 15 Jahren auf Farmen und Plantagen, erklärt das UN-Kinderhilfswerk UNICEF anlässlich des Tages gegen Kinderarbeit. Sie bestellten Felder, versprühten Insektizide oder bedienten Maschinen. Aber auch in den Bergwerken sind immer noch Millionen Kinder im Einsatz.

Barbara Dünnweller von der Kindernothilfe betont, dass Kinderarbeit in der Landwirtschaft nicht generell abgeschafft werden könne. "Dies gilt vor allem, wenn die Kinder auf dem elterlichen Hof arbeiten." Extreme Ausbeutung sei aber nicht hinnehmbar. Kinder müssten die Chance haben, zur Schule zu gehen.Die Landwirtschaft gehört UNICEF zufolge neben der Arbeit in Bergwerken und auf dem Bau zu den gefährlichsten Arbeitsplätzen für Kinder. Schon im Alter von zehn Jahren seien Kinder gezwungen, unter extremen Temperaturen und mit gefährlichen Schneidewerkzeugen zu arbeiten. Während der Ernte und der Pflanzzeit seien ihre Arbeitstage extrem lang.Allein auf dem afrikanischen Kontinent arbeiten nach UNICEF-Angaben zwischen 56 und 72 Millionen Kinder in der Landwirtschaft. Schon Mädchen und Jungen im Alter von zehn Jahren hantierten oft mit giftigen Substanzen zur Schädlingsbekämpfung, setzten gefährliche Schneidewerkzeuge ein und seien extremen Temperaturen ausgesetzt. Weltweit seien zehn Mal mehr Kinder in landwirtschaftlichen Betrieben beschäftigt als in der Produktion von Textilien, Teppichen und Fußbällen, so UNICEF weiter. Nach Schätzungen des Hilfswerks liegt die Zahl der Kinderarbeiter unter 15 Jahren insgesamt bei 218 Millionen. Das wirksamste Mittel gegen Kinderarbeit sei eine gute und kostenfreie Grundbildung. "Alle Staaten müssen sich anstrengen, damit dieses Millenniumsziel erreicht wird", forderte UNICEF.Terre des homme: Kein Geld für Produkte aus KinderarbeitDas Kinderhilfswerk terre des hommes hat Kommunen, Länder und den Bund aufgefordert, kein Geld für Produkte aus Kinderarbeit auszugeben. Beim Einkauf sollten Behörden auf faire Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern achten.Das Kinderhilfswerk betonte, dass sich bereits 65 Städte- und Gemeinderäte verpflichtet hätten, Kinderarbeit zu ächten, darunter München, Bonn, Hannover und der bayerische Landtag. Sie achteten darauf, dass beim Einkauf von Produkten das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit beachtet wird.Bündnis mit AgrarorganisationenZur Bekämpfung der Kinderarbeit in der Landwirtschaft schließt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) ein Bündnis mit fünf weltweit tätigen Agrarorganisationen. Das kündigte die ILO am Dienstag in Berlin an. Allein in Bangladesch würden jeden Tag durchschnittlich 50 Kinder durch Maschinen verletzt. So stelle der Umgang mit scharfen Mäh- und Schneidewerkzeugen, mit großen Tieren und mit Pflanzengiften für die Jungen und Mädchen eine große Gefahr dar, da sie über weniger Kraft und Erfahrung verfügten als Erwachsene. Dabei seien diese Probleme nicht nur auf Entwicklungsländer beschränkt.Das Bündnis umfasst nach Angaben der ILO die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), den Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), das Internationale Forschungsinstitut für Ernährungspolitik (IFPRI) sowie die Internationale Vereinigung der Agrarproduzenten (IFAP) und den Dachverband der Agrargewerkschaften (IUF). Ziel sei es, gemeinsam mit den jeweiligen nationalen Behörden und Organisationen Strategien und Projekte zu erarbeiten und umzusetzen. Dazu gehörten Gesetze zum Schutz der Kinder, die Schaffung besserer Einkommensmöglichkeiten, die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit auf dem Land sowie der Ausbau von Schulen.