25.05.2007

missio: Christliche Flüchtling bleiben dem Irak fern Rückkehr kaum möglich

Rund die Hälfte der 800.000 Christen im Irak hat nach Angaben des kirchlichen Hilfswerks missio seit dem jüngsten Krieg ihre Heimat verlassen. Die meisten sähen angesichts der dramatischen Situation insbesondere in Bagdad keine realistische Chance zur Rückkehr mehr, berichtet der Menschenrechtbeaufragte von missio nach wochenlangem Aufenthalt in der Region.

Einige haben es nach Europa oder Amerika geschafftEin kleiner Teil der christlichen Flüchtlinge sei aus der Mitte und dem Süden des Landes in den Nordirak geflohen, einige hätten es nach Europa oder Amerika geschafft. Die meisten lebten jedoch unter rechtlich unsicheren Bedingungen in den Nachbarstaaten, berichtete Otmar Oehring, der in den vergangenen Wochen mit einer missio-Delegation die christlichen Irak-Flüchtlinge in Syrien, Libanon und Jordanien besuchte.Vorrangig sei, die Rechts- und Lebenssituation dieser Flüchtlinge zu verbessern, betonte der Menschenrechts-Experte. Im Libanon gälten sie bislang als Illegale; in Jordanien würden sie für maximal sechs Monate aufgenommen, in Syrien erhielten sie einen Gaststatus für drei Monate, wenn auch mit Verlängerungsmöglichkeit. Für eine Verbesserung ihrer Lage und eine verstärkte Aufnahme insbesondere in der christlichen Welt könne sich auch der Vatikan im Einvernehmen mit westlichen Ländern einsetzen, so Oehring.Wenig Solidarität von anderen Kirchen in NahostZu wenig Solidarität erhielten die meist chaldäischen Flüchtlinge nach Eindrücken der missio-Delegation von den anderen christlichen Kirchen in den Nachbarländern. Zudem erlebten die Chaldäer, dass sie auch nicht ohne weiteres auf die Solidarität der eigenen Glaubensbrüder in der westlichen Welt bauen könnten.Allerdings hätten sie bei der Reise auch positive Eindrücke von kirchlicher Hilfsarbeit bekommen, so Oehring. Die Caritas leiste vielerorts "großartige Arbeit", ebenso die Schwestern vom guten Hirten in Syrien oder auch die Franziskanerinnen in Jordanien.Wenig Chancen sieht Oehring für die Idee, die christlichen Flüchtlinge aus Bagdad und dem Süden in ihrem alten Siedlungsgebiet im Norden des Landes unterzubringen. Es gebe dafür durchaus Unterstützung von Politikern des kurdischen Teilstaates. Allerdings habe die Welle des Terrors in den vergangenen Monaten auch den Norden erreicht. Daher sei er wahrscheinlich kein Rückzugsgebiet und keine Flucht-Alternative für die irakischen Christen ist, so der missio-Beauftragte.