21.05.2007

Europas erstes Klostermuseum eröffnet mit Barockwoche Das Kloster als Lesehilfe

Klöster haben die Entwicklung Europas über Jahrhunderte entscheidend geprägt. Bis heute. Sie sind neben ihrer Bedeutung als religiöse Zentren Stätten der Bildung, Kunst und wirtschaftlichen Entwicklung ganzer Landstriche gewesen. Das Kloster Dalheim im Bistum Paderborn gehört zu den am besten erhaltenen seiner Art. Und wird nun das erste Klostermuseum Europas.

Das Museum als "Lesehilfe"Europas erstes Klostermuseum öffnet am Dienstag im westfälischen Lichtenau seine Pforten. Auf fast 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche erwarten die Besucher 240 sakrale Kunstgegenstände. Die Exponate stammen aus Klöstern, Kirchengemeinden, Museen und Privatsammlungen. Nordrhein-Westfalens Bauminister Oliver Wittke (CDU) wird das Museum eröffnen. Abt Dominicus Meier von der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede hält den Festvortrag.Die Spuren klösterlicher Kulturgeschichte seien heute noch überall zu sehen, sagte der Direktor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), Wolfgang Kisch. Doch die wenigsten Menschen könnten sie lesen. Das neue Museum werde daher wie eine "Lesehilfe" sein. Während Ausstellungshäuser in Klöstern sich meist auf die Geschichte des eigenen Ordens konzentrierten, zeige Dalheim "das europäische Gesamtphänomen" am Beispiel Westfalens.Wemhoff erwartet etwa 80.000 Besucher jährlich. "Zu den Sonderausstellungen während der Bauarbeiten kamen schon bis zu 60.000 Gäste". Im West- und Gästeflügel der Anlage sind neue Ausstellungsräume entstanden. Auch der barocke Ehrenhof wurde restauriert. "Damit haben wir die Bausubstanz für Generationen erhalten, die viele Generationen geprägt hat," sagte Kirsch.Barocke Festwoche zum AuftaktDer erste nun fertig gestellte Bauabschnitt kostete 8,6 Millionen Euro. Für den zweiten, der noch nicht beschlossen ist, rechnet der LWL mit weiteren 11 Millionen Euro. "Dazu brauchen wir noch die Förderzusage des Landes", sagte Kirsch. Der laufende Betrieb soll aus dem Erlös der Stiftung Kloster Dalheim finanziert werden. Die anvisierten 12 Millionen Euro Stiftungskapital seien fast erreicht. Das Geld kommt zu gleichen Teilen vom Landeschaftsverband, Kreis Paderborn und bislang 20 Stiftern.Eröffnet wird das Museum mit einer barocken Festwoche. Wie Wemhoff erläuterte, ist die Idee zur musikalischen Festwoche in Anlehnung an die im Barock üblichen Festoktaven entstanden, die in Klöstern zu großen Anlässen begangen wurden. Die Konzerte sollen verschiedene Facetten barocker Musik erklingen lassen. Am Dienstag eröffnet das Bläserensemble der Akademie für Alte Musik Berlin die Reihe.Die weltberühmte Gambistin Hille Perl wird mit Los Otros barocke Tanzmusik im Schafstall spielen. Unter den Interpreten sind auch Countertenor Kai Wessel und die Barockensembles CordArte und amarcord. Geplant ist zudem eine Filmreihe zum Thema Barock mit Werken von Peter Greenaway, Federico Fellini und Sally Potter.