08.05.2007

Institut kritisiert Arbeitsbedingungen bei Zulieferern in Asien Hoher Preis für Aldi-Schnäppchen

Woche für Woche heißt es für Millionen Deutsche: einen gründlichen Blick ins neue Prospekt des Discounters Aldi werfen. City-Hemden für 7,99 Euro, Pferdedecken für 19,99 Euro - die Angebotspalette kennt scheinbar keine Grenzen. Die Preise sind verlockend günstig - und teuer bezahlt. Textilzulieferer in Asien verletzen die Arbeitnehmerrechte eklatant, zeigt eine aktuelle Studie.

Nicht einmal die Hälfte des staatlichen MindestlohnsBei chinesischen und indonesischen Textilzulieferern des Discounters Aldi werden nach einer Studie des Südwind-Instituts die Arbeitnehmerrechte eklatant verletzt. Die Arbeiter müssten elf Stunden am Tag Hosen, Jacken oder Mäntel nähen und zuschneiden und erhielten oft nicht einmal die Hälfte des staatlichen Mindestlohns, heißt es in einer am Dienstag in Siegburg veröffentlichten Studie des Instituts.In chinesischen Textilfabriken bekämen Schulen Geld dafür, dass sie Minderjährige als Arbeitskräfte vermittelten, sagte Ingeborg Wick, Herausgeberin der Studie, weiter. Oft werde der Lohn monatelang zurückgehalten. In einer untersuchten Fabrik müssten die Arbeiter im ersten Beschäftigungsmonat ohne Lohn arbeiten "um die Anbindung an den Arbeitgeber zu fördern". In der Studie wird von Arbeiterinnen berichtet, die sich nachts heimlich aus den Schlafsälen der Fabriken schleichen, weil sie befürchten, ihr Chef würde eine Kündigung nicht akzeptieren.Aldi zeigt sich dialogbereitDie Verletzung von Arbeitnehmerrechten sei in der chinesischen Textilindustrie an der Tagesordnung, sagte Ingeborg Wick weiter. Die untersuchten Fabriken produzierten auch für andere Textilhändler.Aber bei Discountern wie Aldi sei der Kostendruck besonders hoch.Konfrontiert mit den Südwind-Vorwürfen habe sich Aldi dialogbereit gezeigt.Notwendig sei eine Einkaufspraxis, die die Einhaltung grundlegender Sozialstandards erlaube. Wick verlangte vor allem höhere Löhne und längere Lieferfristen. So könnten extreme Überstunden vermieden werden. Gleichzeitig plädieren die Autoren der Studie für international verbindliche gesetzliche Auflagen. "Ohne Sanktionen werden keine wesentlichen Verbesserungen für die Arbeiter in Billiglohnländern erreicht", sagte Wick.