08.05.2007

Befreiungstheologie auf der lateinamerikanischen Bischofskonferenz Kirche muss eine neue Option für die Armen finden

Wenn sich ab dem 13. Mai die Bischöfe Lateinamerikas zusammen mit dem Papst im brasilianischen Aparecida treffen, dann wird es auch um die Zukunft der Theologie der Befreiung gehen, denn diese Idee, dass Kirche sich unbedingt und vor allem für die Ärmsten einsetzen sollte, sorgt wie nur wenige andere Themen in der Kirche seit Jahrzehnten für Streit. Im domradio Interview

erläutert Prälat Bernd Klaschka, Geschäftsführer von ADVENIAT, die Bedeutung der Befreiungstheologie für Lateinamerika und das schwierige Verhältnis der offiziellen Kirche zu den Basistheologen.

Die Zeit der Befreiungstheologie ist nach Überzeugung des künftigen Erzbischofs von Sao Paulo, Odilo Scherer, vorbei. Wie bei allen theologischen Bewegungen gebe es eine Zeit der Geburt, des Wachstums, des Verfalls und des Verschwindens, sagte Scherer der brasilianischen Tageszeitung „Folha de S.Paulo" am Wochenende. Der 57-jährige deutschstämmige Scherer soll am Sonntag als Nachfolger von Kardinal Claudio Hummes die Leitung des größten Bistums in Brasilien übernehmen.Scherer würdigte zugleich die Verdienste der Befreiungstheologie. Trotz einer drohenden Verkürzung des Glaubens auf eine politische Ideologie habe sie dazu beigetragen, die grundlegenden Elemente des kirchlichen Lehramtes von sozialer Gerechtigkeit und Solidarität stärker hervorzuheben.Doch so einfach sein das nicht, sagte Paulo Suess, deutschstämmiger Befreiungstheologe aus Brasilien, der epd. "Wir wollen zu einer echten Beteiligung der Armen in der Kirche kommen."Sekten konkurrieren um die ArmenIn Brasilien, dem größten katholischen Land der Erde, verliert die katholische Kirche pro Jahr ein Prozent ihrer Gläubigen. Mit einer Missionsoffensive will der Papst die Abwanderung zu den evangelikalen Sekten stoppen. Doch Suess ist skeptisch. Gerade in den Armenvierteln des Kontinents sind Pfingstkirchen und Sekten auf dem Vormarsch. "Bei denen können die Menschen ihren Alltag vergessen", urteilt er."Sekten profitieren von der Landflucht und der Wurzellosigkeit der Leute", erzählt Suess. "Während wir oft gar nicht präsent sind, bilden die ihre Prediger in einem halben Jahr aus." Die charismatische Bewegung bei den Katholiken, bei der das Feiern im Vordergrund steht, sei ein Versuch, mit ähnlichen Methoden um Gläubige zu werben. Eine Beteiligung der Armen sei das nicht.Der Vatikan und die Theologen der BefreiungAls Kardinal war der heutige Papst ein erbitterter Gegner der Theologie der Befreiung. Zu politisch waren ihm die Befreiungstheologen, zu nah an kommunistischen oder marxistischen Ideen. Unter seinem Pontifikat maßregelte die Glaubenskongregation im März den Jesuiten und Befreiungstheologen, Jon Sobrino.  Kritik übte der Vatikan dabei nicht an dem Engagement für die Armen, sondern an der Vernachlässigung wesentlicher Aspekte der kirchlichen Lehre. Wie viele sozial engagierte Theologen vor ihm, betonte auch Sobrino in seinen Büchern die menschliche Natur des leidenden und hingerichteten Jesus als Bruder der Unterdrückten - und vernachlässigte dabei nach Ansicht der Glaubenskongregation wesentliche Aspekte der katholischen Lehrtradition.Hilfe für die Armen heuteWas Befreiungstheologie heute in lateinamerikas Realität bedeutet, berichtet Ina Rottscheidt. Sie war unterwegs mit einer deutschen Missionsschwester, die in den Slums der peruanischen Hauptstadt Lima, mit Hilfe des Lateinamerika-Hilfswerkes Adveniat, den Ärmsten hilft.