30.04.2007

Lehmann kritisiert Streit um Finanzierung der Betreuung "Kinderdebatte ist Skandal"

Die Debatte um eine Finanzierung der Kinderbetreuung geht weiter. Während Berlin über die Verwendung der erwarteten Steuermehreinnahmen streitet, hat sich nun der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann zu Wort gemeldet. Er wirft der Politik Etikettenschwindel vor. Und findet weitere drastische Worte.

"Skandal, wie über Finanzierung geredet wird"Es sei "ein Skandal, wie zur Zeit über die Finanzierung der Krippenplätze geredet" werde, schrieb Lehmann in einem am Montag vorab veröffentlichten Beitrag für Bistumszeitung "Glaube und Leben" der Diözese Mainz. Leute, die sich öffentlich "schnell und vollmundig" für neue Krippenplätze einsetzten, wollten nun keine neuen Mittel dafür bereitstellen, kritisierte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz."Wenig förderlich" sei auch die Haltung derer auf Bundesebene, die zwar andere Ebenen wie die Kommunen stärker belasten, sich selbst aber nur wenig engagieren wollten. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU)) hatte vergangenen Woche mit einem Finanzierungsvorschlag für Aufregung und Widerspruch gesorgt, wonach der Bund nur den Bau neuer Krippen bezahlt, Länder und Kommunen aber die Betriebskosten übernehmen sollen."Mehr Ernsthaftigkeit im Umgang mit der Sache"Vor dem Hintergrund dieser Debatte forderte Lehmann "mehr Ernsthaftigkeit im Umgang mit der Sache" ein. Es sei klar, dass die Finanzierung neuer Krippenplätze nicht einfach sei, aber der Ausbau könne ohnehin nur Schritt für Schritt geschehen. "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", mahnte der Kardinal.Zugleich bekräftigte Lehmann noch einmal die Haltung der katholischen Kirche, wonach der Ausbau nicht auf Kosten der Eltern gehen dürfe, die ihre Kinder zu Hause betreuen wollen. Ziel müsse vielmehr eine echte Wahlfreiheit sein. Dafür seien auf der einen Seite mehr Krippenplätze nötig, auf der anderen Seite aber auch eine größere Unterstützung und gesellschaftliche Wertschätzung für Eltern, die für die Erziehung ihrer Kinder zu Hause bleiben.Sterzinsky: Nicht vorschnell zu Urteilen kommenAuch Familienbischof Kardinal Sterzinsky hat sich in die Diskussion eingeschaltet. Er bezweifelt einen Bedarf von 750 000 Krippenplätzen. Über die Folgen der Krippenerziehung gäbe es noch keine eindeutigen Forschungsergebnisse. Eine Verlängerung des Elterngeldes auf drei Jahre sei wichtig, um auch die Elten zu unterstützen, die ihre Kinder zuhause erziehen. "Es ist für mich eine große Beruhigung, dass nach einer Umfrage 65 Prozent der Mütter erklärt haben, sie möchten in den ersten Jahren ihres Kindes zu Hause bleiben, auf jeden Fall im ersten Lebensjahr. Da ist sicherlich richtig erspürt, dass die Beziehung zu Mutter und Vater und nicht zu anderen Bezugspersonen von besonderer Wichtigkeit ist. Das Bezugsfeld kann sich aber im zweiten und dritten Lebensjahr erweitern. Da sollte man differenziert vorgehen, damit man nicht vorschnell zu Urteilen kommt, die dann nicht standhalten können", so Kardinal Sterzinsky in der Würzburger Tagespost. Die Diskussion müsse von den Fachleuten weitergeführt werden.Mut zur EheAufgabe der Kirche sei es, die Menschen wieder zu einer lebenslangen Partnerschaft zu befähigen. Das mangelnde Vertrauen in den Partner oder die Partnerschaft sei ein Grund, aus dem viele Frauen auf Kinder verzichteten.Kardinal Georg Sterzinsky ist Erzbischof von Berlin und leitet in der Deutschen Bischofskonferenz die Kommission für Ehe und Familie. Markus Reder sprach mit dem Familienbischof über den geplanten Krippenausbau, Finanzierungsdebatten und die Diskussion um eine verlängerte Bezugsdauer des Elterngeldes.