19.03.2007

Der Kölner Pfarrer Franz Meurer sorgt nicht nur mit seiner Kollekte für eine Moschee für Aufsehen Der Hoffnungsträger

In den Sonntagmessen der Kölner Pfarrgemeinden St. Elisabeth und St. Theodor ging am Wochenende der Klingelbeutel herum, was an sich nicht so ungewöhnlich ist. Aber diese Kollekte soll der geplanten Kölner Großmoschee gespendet werden - ein bislang einmaliger Vorgang, der bundesweit für Aufsehen gesorgt hat. Zusammengekommen sind insgesamt 2000 Euro.

Initiator der Aktion ist Pfarrer Franz800 Euro waren im Klingelbeutel, weitere 1200 Euro gespendet. Initiator der Aktion ist Pfarrer Franz Meurer - auch wenn er das nicht gerne hört: "Ich kann hier nichts allein entscheiden. Die Idee für diese Kollekte kam von Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand." Doch ohne den 55-Jährigen hätte es diese Initiative sicher nicht gegeben. Der Seelsorger hat einiges bewegt in den rechtsrheinischen Stadtteilen Höhenberg und Vingst, die lange Jahre von Arbeitslosigkeit, Abwanderung und Verfall geprägt waren.Als er hierher kam, organisierte er vor 14 Jahren das erste "HöVi-Land": eine preiswerte Ferienfreizeit für Kinder, getragen von Spenden und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Heute gibt es ein intaktes Hilfenetz mit Kleiderkammer, Gewaltpräventionstraining, Lernhilfen und Lehrstellenvermittlung. Besonders stolz ist Meurer auf die Frauen der Lebensmittelausgabe, die wöchentlich Spenden für 500 bis 600 Bedürftige sammeln. Und darauf, dass jedes Kommunionskind seiner Gemeinde ein neues Festkleid oder einen Anzug geschenkt bekommt.Dass er einfache Worte finden kann, sich in Soziologendeutsch, der Sprache der Betriebswirte und natürlich in christlicher Mystik auskennt, hilft ihm, den richtigen Ton zu finden, will er jemanden zum Mitmachen überzeugen. Außerdem packt der hagere Mann selber an, wenn etwa Hilfe bei einem Umzug nötig ist."Spielereien mit Verbotenem sind zwecklos"Meurer, der sich selbst einen "bezahlten Hoffnungsträger" nennt, konzentriert sich dabei auf die praktizierte Nächstenliebe und hält sich von den Streitereien der deutschen Bischöfe fern. "Spielereien mit Verbotenem sind zwecklos", weiß er. Dabei dürfte nicht alles, was in den Gemeinden St. Elisabeth und St. Theodor stattfindet, beim Erzbistum ungeteilten Beifall finden. Etwa die Betreuung von Kindern unter drei Jahren durch den Verein "Wolkenkinder", damit deren Mütter berufstätig sein können. Oder die gemeinsamen Ferien von katholischen und evangelischen Jugendlichen. Auch Meurers These "Das Individuum kann sich nur in der Auseinandersetzung mit anderen finden" - also auch mit anderen Religionen -, ist nicht unumstritten.Und lernen kann man von allen. Auch von Muslimen, etwa Beten, Fasten und die sehr innige Beziehung zu Gott - "ohne Liturgie". Darum ist die Spende für die Moschee für ihn ein "Gegengeschenk über Bande", schließlich hätten die Protestanten seinerzeit auch eine wertvolle Bibel für die neue Kirche seiner Gemeinde geschenkt.Meurer riss Plakate einer rechtsextremen Partei, die gegen die Moschee mobilisiert, ab und kassierte dafür eine Geldstrafe. Das nahm er hin. "Er ist ein Mensch, der nicht an Köln verdient, sondern sich um Köln verdient macht", lobten ihn dafür die Schriftsteller Elke Heidenreich und Günter Wallraff, der Soziologe Erwin Scheuch und Ex-Bundesministerin Katharina Focke und kürten ihn 2002 zum ersten alternativen Ehrenbürger Kölns. In diesem Jahr erhielt er für seinen "Dienst am Nächsten und die Achtung der Menschenwürde" die Kardinal-Frings-Medaille.