12.03.2007

Das Erzbistum Bamberg begeht 1.000-jähriges Jubiläum - und nimmt die dunkle Seite seiner Geschichte ins Visier Feier mit Schuldbewusstsein

Wohl noch nie sind im Bamberger Dom so deutlich Schuld und Verfehlungen benannt worden. Auch für Deutschland ist der Vespergottesdienst vom Sonntagabend im Rahmen der Feierlichkeiten zum 1.000-jähigen Bestehen des Bistums außergewöhnlich. Zuvor hatte die spektakuläre Vergebungsbitte von Papst Johannes Paul II. 2000 nur einen Nachahmer gefunden.

"Unheilvolle Allianz von Thron und Altar"Als einziger deutscher Bischof hatte sich bislang Franz-Josef Bode in Osnabrück auf die Spuren von Papst Johannes Paul II. begegben.Man wolle Verfehlungen konkret benennen, hatte Schick angekündigt. Die letzten Strahlen der Abendsonne erleuchteten die vollbesetzte Kathedrale, als der Erzbischof den Gottesdienst eröffnete, an dem auch sein Vorgänger Karl Braun teilnahm. Acht Schuldbekenntnisse - jeweils bezogen auf die acht Seligpreisungen der Bergpredigt - sprachen Vertreter des Domkapitels, der Priester, der Ordensleute und der Laien. Die sündigenden Kirchenvertreter benannten sie zwar nicht mit Namen, aber als aktiv Handelnde. Schick verfolgte das Schuldbekenntnis in sich gekehrt von der Kathedra aus.Mit Schweigen quittierte die Gemeinde, als die Vortragenden an die Beteiligung von Kirchenmännern am Feudalsystem und die damit verbundene Unterdrückung der Armen ebenso erinnerten wie an Hexenverfolgung, Kreuzzüge, die "unheilvolle Allianz von Thron und Altar" oder Machtmissbrauch durch Geistliche. Auch Untätigkeit gegenüber dem Nationalsozialismus, Antisemitismus in den eigenen Reihen oder mangelnder Einsatz gegen jene Auswüchse, die zur Kirchenspaltung geführt hatten, kamen zur Sprache.Auch Verfehlungen in der GegenwartBemerkenswert offen wurden Verfehlungen der Gegenwart eingeräumt: "Auch in der Bamberger Diözese kamen Verfehlungen von Geistlichen bis hin zum Kindesmissbrauch vor; es fiel den Verantwortlichen manchmal schwer, damit angemessen umzugehen." Die oftmals zu bürgerlich verfasste Kirche nehme auch "die Verlierer der Gesellschaft" zu wenig wahr; Frauen, Jugendliche und Menschen mit gebrochenen Lebensweg fühlten sich manchmal ungerecht behandelt.In seiner Ansprache unterstrich Schick, dass es Menschen nicht zustehe, über andere zu urteilen. Es sei aber wichtig, im Jubiläumsjahr die historischen Fakten klar zu benennen. Natürlich könne dies nur allgemein und lückenhaft geschehen, Geschichte sei komplex und vielschichtig. Dass die Vergebungsbitte in eine unsachliche Debatte über die Vergangenheit münden könnte, hofft Schick nicht. Es gehe darum, dass sich Kirche besinne und aus Fehlern lerne. "Wenn das von jemandem ausgeschlachtet wird, kann man nichts daran ändern", so der Erzbischof. Die Gemeinden rief er auf, sich mit dem eigenen Versagen auseinanderzusetzen. Denn: "Wir können nicht feiern, ohne auch Schuld und Versagen in den Blick zu nehmen."