05.03.2007

Unicef fordert im domradio mehr Chancen für Roma-Kinder Zwischen Integration und Isolation

Unicef hat die europäischen Regierungen dazu aufgerufen, Roma-Kindern die gleichen Rechte auf Gesundheit, Bildung und Schutz zu gewähren wie allen anderen Jungen und Mädchen. Politik, Medien und Behörden sollten sich dafür einsetzen, Vorurteile und Rassismus gegenüber der größten Minderheit Europas zu bekämpfen, forderte der Sprecher des Kinderhilfswerk der UNO Rudi Tarneden im domradio-Interview.

Besonders schlimm: Die Situation in SüdosteuropaEs äußerte sich aus Anlass der Konferenz "Roma-Kinder in Europa - Zwischen Integration und Isolation", die Unicef mit der Kinderkommission des Bundestags veranstaltete.Unicef beklagte besonders die Situation in Südosteuropa, wo die meisten der acht bis zehn Millionen Roma in großer Armut isoliert in Gettos und Slums lebten. In Ländern wie Albanien, Bulgarien und Rumänien würden gegenwärtig zwischen 20 und 40 Prozent der Roma-Kinder nicht eingeschult. In Bosnien-Herzegowina gingen sogar 80 Prozent nicht zur Schule. 20 Prozent der Kinder seien nicht gesund, verglichen mit 7 Prozent in Nicht-Roma-Familien.Von Deutschland forderte das Kinderhilfswerk eine großzügige Aufenthaltsregelung für Roma-Familien, die als Flüchtlinge kamen. Von den rund 50.000 Roma-Flüchtlingen seien zwei Drittel nur geduldet. Sie dürften weder arbeiten noch an Sprach- und Integrationskursen teilnehmen und erhielten nur 70 Prozent des Sozialhilfesatzes. Für die Kinder gebe es oft keine Schulpflicht; sie hätten sogar kein Anrecht, zur Schule zu gehen.Roma-Kinder in Deutschland"Roma-Kinder müssen die Chance bekommen, den Teufelskreis aus Armut, Ausgrenzung und Vorurteilen zu durchbrechen", heißt es in der Erklärung. Wenn mitten in Europa dauerhaft Hunderttausende Kinder in Gettos ohne gute Ausbildung und Perspektiven aufwüchsen, sei dies nicht allein eine Katastrophe für die Betroffenen. "Ablehnung, Frustration und Aggression können sich aufschaukeln. Die sozialen und politischen Folgekosten wären enorm", sagte das Vorstandsmitglied von Unicef Deutschland, Reinhard Schlagintweit.Laut UNO leben in Deutschland etwa 70.000 Sinti und Roma mit deutschem Pass. Darüber hinaus gibt es etwa 50.000 Roma-Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien, die schon seit vielen Jahren in der Bundesrepublik leben und deren Kinder zum Teil dort geboren sind.