27.02.2007

Harald Schmidt als "männliche Gebärmaschine" auf der "didacta" "Wer Luther weggesteckt hat, den kann ja Pisa nicht beunruhigen"

Fernsehmoderator Harald Schmidt hat zum Auftakt der Bildungsmesse "didacta" den Stand der Kirchen besucht. Gerade in Zeiten, in denen die Kirche medialen Anfeindungen ausgesetzt sei, solle man sich auch als "männliche Gebärmaschine" zum katholischen Glauben bekennen, sagte der Entertainer am Dienstag dem "domradio" in bekannt ironischer Art. Das ganze Interview mit Harald Schmidt in Kürze online und am Samstag ab 12 Uhr (Whg. 18 Uhr) im domradio.

Und diese Ironie behielt der Entertainer während weiten Teilen seines Auftrittes bei: Er sei gekommen, "um ein Stück vatikanische Atmosphäre in die öden Kölner Hallen zu tragen", so Schmidt. Er sprach über seine Kindheit in einer streng katholischen Familie, seine Zeit im Kirchenchor und als Zivildienstleistender im Pfarrhaus. Sein Zugang zur Religion sei sehr emotional und papsttreu gewesen.Mit Blick auf die Bildungssituation in Deutschland rief der Moderator zu mehr Gelassenheit auf: "Wer Luther weggesteckt hat, den kann ja Pisa nicht beunruhigen", sagte er mit einem Seitenhieb auf die evangelische Kirche.Ohne Zölibat katholischer Priester gewordenOhne das Gebot der Ehelosigkeit wäre Schmidt womöglich katholischer Pfarrer geworden. Vom Priesteramt habe ihn nur "das Problem mit den Weibern" abgehalten, so Schmidt. Und er legte noch ein Bonmot drauf: Ein gelungener Gottesdienst müsse lateinisch sein und mindestens vier Stunden dauern. Der Priester solle "à la Miles Davies" mit dem Rücken zur Gemeinde agieren. Gegen diese Ansichten, so der Moderator weiter, wirke "Kardinal Meisner richtig flippig".Toleranz wichtiger als WerteWertevermittlung sieht Schmidt nicht als zentrale Aufgabe der Erziehung an. Werte seien vielmehr wandelbar und flexibel, sie stiegen und fielen. Der wichtigste christliche Wert sei für ihn die Toleranz, zu der er seine Kinder auch erziehe. Heute bezeichnet sich Schmidt als "Alltagskatholiken": Er gehe selten zur Kirche, zahle aber regelmäßig seine Steuern.