27.02.2007

Frauen mit höherer Schulbildung sind eher erwerbstätig Jede zweite Mutter von Kleinkindern ist berufstätig

Dass Väter und Mütter beide mit voller Arbeitszeit berufstätig sind, obwohl Kinder unter zwölf Jahren zur Familie gehören, ist in Deutschland eher die Ausnahme. Kaum mehr als jedes fünfte Elternpaar hat diese Variante gewählt, wie aus einer Untersuchung des EU-Statistikamtes Eurostat hervorgeht. In dieser Kategorie ist Deutschland mit Malta und den Niederlanden Schlusslicht in der Europäischen Union. Dagegen haben sich in Finnland, Portugal und Frankreich mehr als die Hälfte der Paare für die Vollzeit-Arbeit entschieden - in Slowenien gar 80 Prozent.

Weitaus beliebter ist in Deutschland die Variante, dass der Mann in Vollzeit zur Arbeit geht und die Frau eine Teilzeitstelle annimmt. Mit rund einem Drittel aller Paare mit Kindern steht Deutschland hier in der Spitzengruppe. Nur in den Niederlanden und in Großbritannien entscheiden sich mehr Paare für dieses Modell. Dass nur der Mann berufstätig ist, die Mutter aber zu Hause bleibt, kommt in Deutschland etwa so häufig vor wie im EU-Durchschnitt: bei jedem dritten Elternpaar nämlich.Weit häufiger bleiben die Mütter in Malta, in Italien und Ungarn zu Hause: Rund die Hälfte aller Mütter von Kindern unter zwölf Jahren gehen dort keiner Erwerbstätigkeit nach. Ursächlich dafür sind nach Einschätzung der Statistiker drei Gründe: erstens das Arbeitsplatzangebot, zweitens Möglichkeiten für flexible Arbeitszeitgestaltung und drittens die Frage, ob ausreichend Kinderbetreuungsangebote zur Verfügung stehen.Ob Kinder im Haushalt sind oder nicht, wirkt sich in der EU sehr unterschiedlich auf die Erwerbstätigenquote von Frauen aus. Am häufigsten gehen in Slowenien, Dänemark, Litauen und Portugal Frauen einer bezahlten Beschäftigung nach, auch wenn sie Mütter sind. Dagegen arbeiten Mütter in Malta, Italien, Ungarn, Spanien, Griechenland und der Tschechischen Republik am seltensten außer Haus. Verblüffend ist, dass die Zufriedenheit mit den Angeboten zur Kinderbetreuung offenbar kaum Einfluss darauf hat, ob Mütter arbeiten oder nicht. So äußerten sich jüngst 72 Prozent der Slowenen zufrieden mit der öffentlichen Betreuung - in Portugal aber nur 40 Prozent. Einzig in Italien decken sich die Zahlen:Dort arbeiten vergleichsweise wenig Frauen; zugleich herrscht relativ große Unzufriedenheit mit den Betreuungsangeboten.Deutschland gehört zu den EU-Staaten, in denen die Kluft zwischen der Erwerbstätigenquote von Frauen ohne und mit Kindern besonders groß ist: Während es etwa für Litauerinnen, Portugiesinnen oder Sloweninnen kaum einen Unterschied macht, ob sie Kinder haben oder nicht, halten Kinder offenbar deutsche Mütter von der Arbeitsaufnahme ab. Wie alt die Kinder sind, spielt auch eineRolle: Sind die Kinder unter zwei Jahre alt, arbeitet im EU-Durchschnitt nur die Hälfte aller Mütter. Bei Kindern zwischen drei und fünf Jahren sind schon 60 Prozent wieder eingestiegen, und bei Kindern zwischen sechs und elf Jahren steigt die Erwerbstätigkeitsquote bis auf rund zwei Drittel an. Deutschland liegt dabei ziemlich im EU-Durchschnitt.Auch das oft als Beispiel herangezogene Nachbarland Frankreich kennt diese Unterschiede. Mütter mit Kindern unter zwei Jahren bleiben auch in Frankreich fast zur Hälfte zu Hause. Mit Kindern zwischen drei und fünf Jahren arbeiten bereits wieder zwei von drei Französinnen. Und mehr als drei von vier Müttern mit Kindern zwischen sechs und elf Jahren gehen zur Arbeit - deutlich mehr als in Deutschland. Bei anderen EU-Nachbarn - etwa den Niederlanden, Portugal, Slowenien oder Spanien - spielt das Alter der Kinder dagegen kaum ein Rolle für die Berufstätigkeit der Mütter."Ob mit oder ohne Kind - Frauen mit höherer Schulbildung sind eher erwerbstätig", heißt es in der Statistik, die zumeist auf Zahlen von 2003 beruht. Hinzu kommt nach Einschätzung von Eurostat vor allem das Bildungsniveau - und damit das zu erzielende Gehalt. In fast allen EU-Staaten bleiben Frauen mit höherem Bildungsniveau häufiger im Beruf als andere - unabhängig von der Zahl ihrer Kinder.