22.02.2007

Der Streit innerhalb der anglikanischen Kirche gährt weiter US-Bischof: Ich würde ein Schisma akzeptieren

Ein anglikanischer US-Bischof hat sich laut Medienberichten für eine Abspaltung von der anglikanischen Weltgemeinschaft ausgesprochen. "Ich würde ein Schisma akzeptieren", sagte Bischof Steven Charleston von Cambridge/Massachusetts der Tageszeitung "Washington Post": "Ich würde es akzeptieren, dass man mir sagt, dass ich nicht im Einklang mit Kirchen wie der in Nigeria bin, wenn das bedeutet, dass ich umgekehrt im Einklang mit Gerechtigkeit und Moral bin."

Charleston reagierte damit auf das Ultimatum eines anglikanischen Krisengipfels zu Wochenbeginn in Tansania. In einer einstimmig verabschiedeten Resolution hatten die Vertreter fast aller National-Kirchen die liberalen US-Episkopalkirche aufgefordert, binnen sieben Monaten zu beweisen, dass sie sich dauerhaft von ihrem bisherigen Kurs abwenden werde. Erfolge das nicht, drohten "Konsequenzen" für die "volle Teilhabe" der US-Kirche an der anglikanischen Weltgemeinschaft. Vor allem konservative afrikanische Kirchen wenden sich gegen die aus ihre Sicht zu liberalen US-Anglikaner.Die Bischofsweihe eines bekennend Homosexuellen 2003 sowie Segnungsriten für gleichgeschlechtliche Paare in den USA und Kanada haben den konservativen und den liberalen Kirchenflügel der weltweit 78 Millionen Anglikaner an den Rand der Spaltung gebracht. Die anglikanischen Bischöfe der USA begeben sich im März in Klausur. Beobachter erwarten von dort eine Reaktion auf die Resolution der Weltgemeinschaft."Zeit zum Nachdenken und Innehalten"Weitere führende US-Liberale erklärten laut "Washington Post", sie wollten zunächst die Stellungnahme der Leitenden US-Bischöfin, Katherine Jefferts Schori, abwarten. Sie hatte die tansanische Resolution unterschrieben und noch am Dienstagabend beide Seiten aufgerufen, die Fastenzeit als Zeit zum Nachdenken und Innehalten zu nutzen. "Vielleicht kann sie uns überzeugen und uns zeigen, wie ein Kompromiss funktionieren könnte", sagte der Sprecher der Diözese Washington, Jim Naughton, der Zeitung.Susan Russell, die Präsidentin einer anglikanischen Aktivistengruppe für die Rechte Homosexueller, sagte: "Entweder wir bleiben unserer liberalen Auffassung treu, dass Kirche für alle da ist, oder wir bleiben unserem Wunsch treu, ein Mitglied der anglikanischen Weltgemeinschaft zu sein." Bislang habe die US-Kirche aber eine solche Entscheidung vermieden.