14.02.2007

(Nicht nur) in der Domstadt waren die jecken Wiever los Katollisch, evangjelisch, Jüd oder Muslim: Mir all sin Kölle!

Die karnevalistischen Hochburgen in Deutschland waren am Donnerstag fest in Frauenhand. Pünktlich um 11.11 Uhr an Weiberfastnacht übernahmen die Narren und Jecken die Herrschaft. Tausende maskierte "jecke Wiever" stürmten Büros und Amtsstuben, um Krawattenträgern mit der Schere zu Leibe zu rücken. In etlichen Rathäusern übernahmen die Frauen das Regiment. Im Rheinland läuft das öffentliche Leben zwischen Aachen und Bonn bis Aschermittwoch allein im Takt der "decken Trum", wie hier das typische Schlagwerkzeug der Jecken heißt.

In der Kölner Altstadt ging schon um 10.00 Uhr auf dem Altermarkt nichts mehr. Das karnevalistische "Regierungsviertel" musste wie in jedem Jahr wegen Überfüllung geschlossen werden. Mehrere zehntausend Zuschauer jubelten dem Dreigestirn um Prinz Jacky I, Bauer Walter und Jungfrau Antonia zu. Bei reichlich Kölsch wurde unter freiem Himmel zu den Hits der Höhner und Brings geschunkelt. Eine Gruppe lilafarbener Teletubbies lieferte in einer Ecke eine improvisierte Spontan-Karnevalssitzung ab. Nur wenige Meter entfernt zog eine Gruppe aufwändig kostümierter Freibeuter mit einer fast zwei Meter langen Fregatte auf Rädern durch die Altstadt. "Wir haben nichts mit dem 'Fluch der Karibik' zu tun, wir gehen schon seit Jahren als Piraten", stellte einer der Männer klar. Außer dem Hang zum Seeräuber-Outfit war bei den Kostümen in Köln kein eindeutiger Trend auszumachen. Bei sonnigem, aber kaltem Wetter zeigte sich manch unternehmungslustiges "Wiev" mit Strapsen, knappen Rock und Netzstrümpfen durchaus verführerisch. "Ich will flirten, ich habe noch Schwung vom Valentinstag", bekannte ein blond bezopfter "Marienkäfer". Bonn: Rathaus gestürmtAussichtslos war der Widerstand der Kommunalpolitiker im Bonner Stadtteil Beuel. In einer der Kernzelle der Weiberfastnacht stürmten die jecken Waschweiber gewohnt trickreich das Ratshaus, wobei eine Waschmaschine als "trojanisches Pferd" genutzt wurde. In Düsseldorf übergab Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) nach nur denkbar kurzer Gegenwehr ("Ihr kommt hier nicht rein") Karnevalsprinz Udo I. und seiner Venetia Miriam die Stadtschlüssel. Tausende Jecken jubelten dem Paar auf dem Rathaus-Balkon zu. Ausgelassene Stimmung herrschte auch an der "längsten Theke der Welt" in der Düsseldorfer Altstadt, aus den Kneipen tönte Partymusik, auf den Straßen floss reichlich Alt und Prosecco. Hier tanzte ein Zwerg mit einer Domina und ein falscher Edmund Stoiber mit einer Piratenbraut. In Unna startete pünktlich um 11.11 Uhr wieder der kleinste Karnevalszug Deutschlands - wenn nicht der ganzen Welt. Der 72-jährige Karnevalsfan Helmut Scherer ist seit mittlerweile 51 Jahren in närrischer Mission in der Kreisstadt unterwegs. Begleitet wird er bei seinem Solo-Umzug von Musikgruppen, die allerdings deutlich Abstand halten, damit Scherer nach wie vor als "Ein-Personen-Zug" unterwegs ist. Auch in Rheinland-Pfalz waren Tausende Närrinnen unterwegs. Am Morgen übernahmen beim traditionellen Behördenkarneval in der Beamtenstadt Koblenz die Frauen das Regiment und ließen in zahlreichen Büros die Sektkorken knallen. So herrschte in der Oberfinanzdirektion, im Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, oder auch in einigen Dienststellen der Bundeswehr vorübergehend ein närrischer Ausnahmezustand. Am Nachmittag standen viele Gemeinden im Koblenzer Umland wieder im Zeichen des Straßenkarnevals, "öhnen" (närrische Weiber) zogen in farbenprächtigen Umzügen durch die Straßen. Zudem hat die Tradition der Weiberfastnacht inzwischen auch in Mainz Fuß gefasst und bildete dort den offiziellen Beginn der Straßenfastnacht. In einigen Ortschaften entlang der Mosel mussten sich Autofahrer darauf einstellen, Wegezoll entrichten zu müssen. Im Gegenzug gab es von den jecken Damen Kamelle, ein Küsschen oder einen Schluck warmen Kaffee.