11.10.2006

Gedenktag des Völkermords an den Armeniern "Recht auf Erinnerung"

Der Völkermord an den Armeniern: Kaum ein anerkannter Historiker bestreitet mehr, dass die Massaker an Armeniern und aramäischen Christen während des Ersten Weltkriegs im Osmanischen Reich einen Genozid darstellten. Bis zu 1,5 Millionen Menschen starben, türkische Nationalisten sehen jedoch darin keinen Völkermord, sondern "tragische Folgen einer Zwangsumsiedlung".

Die Armenier in Deutschland gedenken heute in des Genozids an ihren Landsleuten vor 92 Jahren. Solange die Türkei den Völkermord leugne und diese Strategie von den türkischen Medien auch in Deutschland propagiert werde, gehe es für die zweite, dritte und sogar vierte Generation nach derVernichtung "nicht allein um die Erinnerung, sondern noch immer um das Recht auf diese Erinnerung", so der Zentralrat der Armenier.Unter der Herrschaft des mit Deutschland verbündeten Osmanischen Reiches waren 1915 und 1916 in Ostanatolien bis zu 1,5 Millionen Armenier ermordet worden. Das Thema spielt auch eine Rolle bei den EU-Beitrittsverhandlungen der Türkei. Der Zentralrat der betont immer wieder, die europäischen Länder hätten eine besondere Verantwortung. Als Bündnispartner der osmanischen Türkei im Ersten Weltkrieg sei besonders Deutschland eng mit der Geschichtedes Völkermords verwoben. Die Vernichtung sei "vor den Augen dereuropäischen Öffentlichkeit" vollzogen worden.Papst Benedikt XVI. erinnert an Armenier-GenozidWährend seiner Türkeireise besuchte Papst Benedikt XVI. im Herbst 2006 auch den armenisch-apostolischen Patriarchen von Konstantinopel, Mesrob II. Bei einem Gebetsgottesdienst in der Patriarchalkathedrale in Kumkapi erinnerte der Papst an den Armenier-Genozid.Wörtlich sagte der Papst: „Ich danke Gott für das christliche Glaubenszeugnis des armenischen Volkes, das von einer Generation zur nächsten weitergegeben wurde, oft unter sehr tragischen Umständen wie jenen des vergangenen Jahrhunderts." Das Treffen sei „mehr als eine einfache Geste der ökumenischen Höflichkeit und Freundschaft", betonte er.Der Deutsche Bundestag verabschiedete 2005 ErklärungDer Bundestag hat im Juni 2005 mit einer einstimmig verabschiedeten Erklärung der türkischen Massaker des Jahres 1915 an den Armeniern gedacht. Dabei wurde der umstrittene Vorwurf des Völkermords zwar nicht im eigentlichen Antragstext, wohl aber in der Begründung verwendet.Vorausgegangen waren ein Monate langes Gerangel vor allem zwischen SPD und Bundesregierung sowie heftiger Druck der Türkei. Der türkische Außenminister Abdullah Gül hatte den Antrag noch kurz zuvor als "verletzend" für die Türkei und die in Deutschland lebenden Türken bezeichnet.Der Antrag wurde ohne weitere Debatte verabschiedet. Er fordert die Bundesregierung auf, "dabei mitzuhelfen, dass zwischen Türken und Armeniern ein Ausgleich durch Aufarbeitung, Versöhnen und Verzeihen historischer Schuld erreicht wird". Die Bundesrepublik soll sich dafür einzusetzen, dass sich das türkische Parlament sowie seine Regierung und Gesellschaft "vorbehaltlos" mit ihrer Rolle gegenüber dem armenischen Volk in Geschichte und Gegenwart auseinander setzen.Unrühmliche Rolle des Deutschen ReichesDer Bundestag bedauerte zugleich die "unrühmliche Rolle" des Deutschen Reiches, das trotz der vielfältigen Informationen über die organisierte Vertreibung und Vernichtung von Armeniern nicht einmal versucht habe, die Gräuel zu stoppen. In der Antragsbegründung heißt es: "Zahlreiche unabhängige Historiker, Parlamente und internationale Organisationen bezeichnen die Vertreibung und Vernichtung der Armenier als Völkermord."Frankreich: Leugnung des Völkermords an Armeniern strafbarDie französische Nationalversammlung hat 2006 die Leugnung des Völkermords an den Armeniern im Jahr 1915 unter Strafe gestellt. Verstöße werden mit einem Jahr Haft und einer Geldstrafe in Höhe von 45.000 Euro bestraft. Frankreich hatte bereits 2001 ein Gesetz verabschiedet, in denen die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg als Völkermord eingestuftwurden. Strafen für die Leugnung dieser Aussage waren darin aber nicht vorgesehen.