27.06.2004

Nachrichtenarchiv 27.06.2004 11:49 Katholisches zum Kuschelrock

Kölner „domradio" will christliche Sichtweisen unter die Leute bringenMichael Borgers muss sich konzentrieren. Da ist keine Crew im Hintergrund - er fährt die Sendung allein. Hin und wieder fällt sein Blick aus den Fenstern des Studios auf die mächtige Fassade des Kölner Doms. Hätte der Radiomoderator jetzt die Muße dazu, könnte er unten auf der Domplatte das Gewusel der Menschen beobachten, die nach rechts Richtung Wallraf-Richartz- und Römisch-Germanisches Museum streben, oder aber nach links zum Hauptbahnhof oder zu McDonald's.„Ja, wir sind hier mitten im Leben", sagt Ingo Brüggenjürgen. Und genau so stellt sich der Chefredakteur des „dom-radios" auch dessen Programm vor. Klar, beim bundesweit ersten katholischen Bistumssender, vor vier Jahren gestartet, spielen kirchliche Themen eine zentrale Rolle. Doch Lebenshilfe, Kultur, Unterhaltung, Service - Brüggenjürgen will den schätzungsweise 60 000 regelmäßigen Hörerinnen und Hörern ein breites Spektrum bieten. Attraktiv für ein breites Publikum zwischen 30 und 60, das mit der entsprechenden Musikfarbe bedient wird: sanfter Pop und Rock.Herzstück des journalistischen Teams ist die Nachrichtenredaktion. In den Magazinen, die über Tag durchweg live ausgestrahlt werden, und in den stündlichen Nachrichten werden aktuelle Themen aufgegriffen und „durch ein christliches Prisma betrachtet", skizziert Brüggenjürgen das Konzept. Er will die Stärke des schnellen Mediums Radio zur Geltung bringen: Auf den Marktplatz der Meinungen solle ohne Verzögerung die christliche Sicht getragen werden. Für praktisch jedes  Thema ließen  sich katholischeFachleute finden, und wo auch immer auf der Erde etwas passiere, sei zumindest eine Missionsstation in der Nähe, bei der man anrufen könne.Neben den journalistischen setzt das „domradio" liturgische Akzente. Morgens um sechs beginnt das Tagesprogramm mit einer Laudes, abends um zehn endet es mit einer Komplet. Zu jeder vollen Stunde gibt es einen biblischen oder literarischen besinnlichen Impuls. Sonntagmorgens wird live ein Gottesdienst übertragen und Samstagabends die etwa einstündige Lichterfeier aus Taize.Könnte dies auf Dauer nicht die öffentlich-rechtlichen Anstalten ermuntern, ihre kirchlichen Sendungen zu streichen? Mit dem Argument, wer so etwas hören wolle, könne ja gleich „domradio" einschalten? Brüggenjürgen verneint. Sein Sender sei keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung des Angebots. Ohnehin bleibt diese Frage ziemlich akademisch, solange die Empfangsmöglichkeiten des „domradios" eingeschränkt sind. Über Kabel ist es nur im Rheinland zu empfangen, ansonsten über Satellit oder Internet. Wer ein Digitalgerät besitzt, kann es zudem in Rheinland-Pfalz und Südhessen hören - und bald auch in ganz Nordrhein-Westfalen, da die dortige Landesanstalt für Medien dem „domradio" vor einer Woche die entsprechenden Übertragungskapazitäten zugewiesen hat. Eine UKW-Frequenz zu ergatrern, die jeder normale Radioapparat empfangen kann, ist in Nordrhein-Westfalen hingegen so gut wie aussichtslos.Während Kirche im Bereich Presse „gut aufgestellt" sei, habe sie sich in Sachen Kirchenradio bislang sehr zurückgehalten, bedauert Brüggenjürgen. „Die Frage ist doch: Wie kann ich den Menschen im Informationszeitalter den Glauben nahe bringen?" Da sei ein kircheneigener Radiosender ein wirksames Mittel. Und „wirklich kein riesiges finanzielles Ding" - das werbefreie 24-Stunden-Vollprogramm des „domradios" koste jährlich 1,5 Millionen Euro. Er hofft deshalb sehr, dass sich weitere Bistümer beim „doiriradiö" einklinken.Da ist Überzeugungsarbeit zu leisten, für die es einen langen Atem braucht. Über den verfügt der 42-jährige Vater dreier Kinder, der in Münster Theologie und Publizistik studierte und fünf Jahre lang Beauftragter der Bischofskonferenz beim Fernsehsender RTL war. Ingo Brüggenjürgen liebt die Langstrecke. Im September will er beim Köln-Marathon an den Start gehen.         Hubertus BükerEmpfang- und Programminformationen: domradio, Domkloster 3, 50667 Köln, Telefon 02 21/25 88 60, Fax 2 58 8611, oder unter info@domradio.de per E-Mail. Internet: www.domradio.de