31.12.2003

Die Vigil und das Marienfeld Benedikt XVI. und 800.000 Pilger

800.000 Pilger warteten auf dem Marienfeld auf Papst Benedikt XVI., um mit ihm die Vigil zu feiern. Die Wiesen um den Altarhügel begannen sich schon seit dem frühen Vormittag zu füllen. Aus allen vier Himmelsrichtungen strömen die Pilgergruppen auf das Gelände. Sie tauschen ihre Fahnen untereinander. Manche haben sogar ein paar Rosen zum Verschenken dabei. Überall auf dem Feld werden besondere Kerzen für die abendliche Vigil an die Pilger verteilt. Stellenweise reißt der Himmel auf, so dass sich das Marienfeld am Abend in ein Lichtermeer verwandeln kann. Während tausende junge Pilger weiterhin ankommen, campieren die, die den eineinhalbstündigen Fußmarsch zum Marienfeld bereits geschafft haben auf ihren Isomatten, Schlafsäcken und  Planen. Erwartet wurden auch die Pfadfinder, die das Friedenslicht aus Bethlehem bringen. Kathrin aus Lachen-Speyerdorf fand allein die Fahrt zum Marienfeld schon aufregend: „Der Zug war knackevoll. Und trotzdem mussten noch zehn Österreicher rein. Alle riefen: zehn, neun, acht – und letztlich sind dann doch alle ´reingekommen. Zwei von uns durften sogar vorn beim Schaffner sitzen.“ Am Bahnhof Horem verschenkten und verkauften Anwohner Äpfel, Kekse und Getränke. Die Pilger kamen mit ihren Trolleys und Rucksäcken, erzählt sie, und die Afrikaner trugen wegen des Matsches ihre Sachen auf dem Kopf“. Auf den Feldern seien überall Becken mit riesigen Schwimmkerzen verteilt. Jetzt warteten alle auf die Vigil am Abend.Einige Pilgergruppen haben auf den Verpflegungskisten einen kleinen Altar aufgebaut und feiern gemeinsam mit ihren Nachbarn die Heilige Messe auf freiem Feld. Um 19.30 Uhr wird dann die Ankunft des Papstes und des WJT-Kreuzes erwartet. Der Pontifex wird mit dem Papamobil über das Festgelände fahren, auch wenn es regnen sollte. Nach der Fahrt wird er mit den Pilgern ab 20.30 Uhr die Vigil feiern. Mit welchen Erwartungen die Pilger sich zum Marienfeld aufmachten, zeigen einige Kurzinterviews auf dem Bahnhof von Deutz: Sebastian, 21, Deutschland: „Ich habe noch etwas zu essen eingepackt und eine Plastikplane dabei, wenn es anfängt, zu regnen. Im Prinzip ist das wie Camping, als Pfadfinder bin ich es gewohnt, bei jedem Wetter im Freien zu übernachten.“ Luciana, 28, Brasilien: „Wir haben Gittaren dabei und werden mit Musik feiern. Im Gepäck sind Flaggen, aber auch Regenschirme. Für uns ist die Feier am Marienfeld der wichtigste Moment unserer Reise. Wir möchten den Papst sehen und durch ihn die Anwesenheit Jesu spüren.“ Rachel, 19, Australien: „Ich möchte die gemeinsame Feier mit dem Papst genießen, zuhören, was er sagt. Darauf habe ich mich mit einigen Büchern vorbereitet. Ich freue mich darauf, mit Freunden zusammen zu sein und gemeinsam zu reden uns zu beten. Vorsichtshalber habe ich warme Kleidung eingepackt und noch etwas zu essen gekauft.“ Margot, 49, Deutschland: „Mein Mann und ich haben uns erst vor zwei Tagen spontan entschlossen, nach Köln zu kommen. Drei unserer Kinder sind schon hier und haben uns Tipps gegeben, wie wir am Besten zum Marienfeld kommen. Vorsichtshalber haben wir eine 24 Quadratmeter große Plastikplane im Gepäck, um trocken zu bleiben.“ Manuela, 17, Italien: „Ich freue mich auf ein großes Treffen, das der ganzen Welt die friedliche Botschaft zeigt. In der Nacht werden wir viel Musik machen.“ Silvana, 47, Canada (Rollstuhlfahrerin): „Ich war gestern noch im Krankenhaus und bin extra für die Fahrt zum Marienfeld dort herausgekommen. Ich möchte den Papst sehen. Übernachten werde ich auf dem Marienfeld nicht und hoffe, dass der Rücktransport in der Nacht gut funktioniert.“