27.09.2002

Nachrichtenarchiv 27.09.2002 16:28 Meisner präzisiert Kritik an deutschem Katholizismus

Köln (KNA) Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat seine Kritik am Zustand der Kirche in Deutschland erneuert und eine Verschlankung der Strukturen gefordert. Im Kölner „domradio" präzisierte er am Donnerstag gleichzeitig, er habe mit seiner Analyse nicht nur Laien, sondern auch Priester und Bischöfe gemeint.Der Erzbischof unterstrich, immer mehr Organisationen und Gremien erstickten die Kirche. Sie werde ihre Vitalität nur dann wiederfinden, wenn sie sich entschlacke. Die Kirche in ihrer derzeitigen Verfassung charakterisierte Meisner als „müden Haufen". Zur Kritik des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) sagte der Kardinal, er habe in seiner Predigt am Mittwoch in Fulda nicht eine Auflösung bestimmter Verbände gefordert, sondern ihre Bekehrung. Auch verweigere er nicht den Dialog. Er teile die Einschätzung nicht, dass unter den engagierten Katholiken ausreichend Glaubenswissen vorhanden sei. Meisner wörtlich: „Von einer solchen Selbstgerechtigkeit halte ich gar nichts."Der Kardinal hatte am Mittwochmorgen in einer Predigt in Fulda die kirchlichen Organisationen scharf kritisiert und erklärt, die Kirche in Deutschland drohe zu einer reinen Organisation zu erstarren. In Gremien und Kommissionen redeten Gläubige mit, bei denen es vielfach an Glaubenswissen mangele. An die Stelle vitalen Glaubens trete immer mehr ein selbstgezimmerter ideologischer Glaube, der nur noch dem Namen nach katholisch sei. ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer wies die Kritik mit den Worten zurück, der Erzbischof habe offenbar keine Ahnung davon, mit welchem Engagement und Glaubenszeugnis sich katholische Laien in Kirche und Politik einsetzten. Er warf Meisner gleichzeitig vor, den Dialog mit den Verbänden und dem ZdK zu verweigern.