17.07.2002

Nachrichtenarchiv 17.07.2002 17:21 Kirchen kritisieren Karlsruhe

Bonn (KNA) Die Kirchen haben die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Homo-Ehe kritisiert. Die Deutsche Bischofskonferenz erklärte am Mittwoch in Bonn, in dem Urteil zeige sich eine "dramatische Verschiebung im Wertebewusstsein" der Gesellschaft. Die Ehe werde mehr und mehr zu einer beliebigen Lebensform unter anderen, sagte der Konferenzvorsitzende, Kardinal Karl Lehmann. Die Richter hätten keine substanzielle Grenzen zwischen Ehe und homosexuellen Lebensgemeinschaften gesetzt.Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erklärte auf Anfrage, im Grundsatz sei es richtig, Diskriminierungen abzubauen und gleichgeschlechtliche Partnerschaften rechtlich abzusichern. In dem Urteil werde aber der rechtliche Abstand von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zur Ehe nicht genug gewahrt. In Zukunft sei darauf zu achten, dass auf die Ehe bezogene Normen nicht nahezu vollständig auf homosexuelle Partnerschaften übertragen würden.Gesellschaftliche PluralitätDer Tübinger katholische Ethiker Dietmar Mieth sagte dem Kölner Domradio, das neue Gesetz sei von der völligen Gleichstellung mit der Ehe weit entfernt. Im Gegenteil seien die Privilegien der Ehe durch das Gerichtsurteil erneuert worden. Der Staat müsse aber auf die gesellschaftliche Pluralität Rücksicht nehmen. An dem neuen Partnerschaftsgesetz kritisierte Mieth allerdings, dass es sich zu sehr auf die Sexualität der Lebenspartner konzentriere und andere Gemeinschaften, wie unter Geschwistern und Verwandten, nicht in den Schutz mit einbeziehe.Der Familienbund der Katholiken erklärte, die Richter hätten klar gestellt, dass allein die Ehe zwischen Mann und Frau unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes stehe. Dieser Unterschied müsse sich dann aber auch in einer klar unterschiedlichen Rechtsstellung dokumentieren, sagte die Präsidentin Elisabeth Bußmann. Sie sprach sich auch für einen rechtlichen Schutz anderer partnerschaftlicher Lebensformen "jenseits sexueller Neigung" aus.