08.02.2002

Nachrichtenarchiv 08.02.2002 10:15 "Von führenden Kardinälen empfohlen": Das Kölner Domradio

Köln (dpa) - Dagmar Peters blickt kurz auf den Kölner Dom, dann zieht sie den Regler am Mischpult hoch. Der Jingle "Von führenden Kardinälen empfohlen" tönt aus den Lautsprechern, dann geht die Moderatorin auf Sendung. Das Domradio, das erste katholische Bistumsradio in Deutschland, liegt gegenüber dem weltbekannten Kölner Wahrzeichen, einem Magnet für Touristen, aber auch Bürger der Stadt. Für Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen ein sinnbildlicher Standort: "So wie die Kathedrale mitten im Kölner Trubel steht, so steht unser Programm mitten im Leben."Dieses Motto wurde bereits bei der Einweihung des Senders durch den Kölner Kardinal Joachim Meisner vor zwei Jahren deutlich. Wegen der empfindlichen Technik war Meisner gebeten worden, auf Weihwasser zu verzichten. Der Kardinal weihte den Sender daraufhin so stark mit Weihrauch, dass die Feuermelder Alarm schlugen. Prompt rückte die Feuerwehr aus, wurde im letzten Moment aber wieder gestoppt.Trotz der Nähe zur Kirche verstehen der Chefredakteur und seine gut 10-köpfige Redaktion ihr Radio nicht als Hofberichterstatter des Kardinals. Auch wenn der Sender komplett vom Bildungswerk des Erzbistums Köln finanziert wird und daher ohne Werbung läuft. Die Motivation für die Radiomacher sei eine andere.Dem pflichtet Erwin Müller-Ruckwitt, Direktor der Hauptabteilung Bildung und Medien des Kölner Generalvikariats, bei: "Erstmalig in der Geschichte der Bundesrepublik sendet ein Bistum die frohe Botschaft im eigenen Radio, um so engagiert christliche Werte wie Nächstenliebe, Toleranz und Solidarität in die Gesellschaft einzubringen.""In den täglichen Magazinsendungen wird lebensnah über Politik, Kultur und Gesellschaft informiert. Dabei haben wir einen kirchlich-religiösen Schwerpunkt", sagt Brüggenjürgen. "Wir berichten von dem Startplatz Michael Schumachers bei der Formel 1, über das TV-Duell zwischen Schröder und Stoiber bis hin zur Katastrophenhilfe der Caritas in Afghanistan."Wenn in anderen Sendern zur vollen Stunde Nachrichten gelesen werden, überrascht das Domradio den Hörer mit "dem Wort", einem kurzen literarischen oder biblischen Text. Die stündlichen Weltnachrichten werden dafür jeweils zur halben Stunde gesendet. Dabei wird Wert auf Neuigkeiten von sozialen und caritativen Initiativen gelegt, wie zum Beispiel von UNICEF.Auch musikalisch hat das Domradio eigene Vorstellungen von einem kirchlichen Sender: Wer Orgelmusik erwartet, wird enttäuscht. Mit seiner soften, populären Rock- und Popmusik kommt der Sender recht locker daher. Das Domradio sei, anders als Radio Horeb in Bayern oder Radio Maria in Niederösterreich, kein Verkündigungssender, sagt Brüggenjürgen. Dennoch kommen auch hier religiöse Inhalte vor. "Als christlicher Sender beginnen wir unseren Tag mit dem traditionellen Morgenlob und beenden ihn mit dem Abendgebet. Außerdem liefern wir jeden Tag eine aktuelle Auslegung des Tagesevangeliums, sowohl auf dem Sender als auch im Internet."Nach zwei Sendejahren zieht Brüggenjürgen eine positive Bilanz. "Selbst die anfänglichen Skeptiker bescheinigen uns mittlerweile, dass wir ein professionelles Radio auf die Beine gestellt haben." Jetzt gelte es, bessere Frequenzen zu bekommen. Da das Domradio in Nordrhein-Westfalen bislang keine terrestrische Frequenz zugewiesen bekommen hat, ist das domradio von Essen bis Bonn und von Neuss bis Wuppertal im NRW-Kabel eingespeist. Zusätzlich kann man den Sender europaweit über Satellit und im Internet hören.Ab September soll das Domradio in Rheinland-Pfalz digitalterrestrisch (DAB) zu empfangen sein. Geplant sind regionale Berichterstattungen in Zusammenarbeit milden Bistümern Mainz, Speyer und Trier. (Internet: das domradio: http://www.domradio.de)