21.12.2001

HIRTENWORT/ Gerechter Friede Das Böse unterlaufen

RHEINISCHER MERKUR: Herr Bischof, wir sind als Christen aufgefordert, die Botschaft des Friedens immer wieder neu zu verkünden. Wie muss sie heute gesprochen werden, damit sie verstanden wird? BISCHOF FRANZ KAMPHAUS: Unsere Botschaft ist einfach. Und die Friedensbotschaft ist auch einfach in einer komplizierter werdenden Welt. Das Leitbild heißt: Schwerter zu Pflugscharen! Macht endlich Schluss mit der ganzen Rüstung und Aufrüstung! Versucht etwasfür die Menschen zu tun statt gegen sie. Ich bin davon überzeugt, und die Bischöfe haben es ja auch im ihrem Hirtenbrief „Gerechter Friede" gesagt, dass die Voraussetzung für einen Frieden in der Welt gerechte Verhältnisse sind. Daran können wir mitarbeiten. Es geht nicht darum, Menschen in die Knie zu zwingen, sondern darum, dass sie auf die Beine kommen. Und das heißt Entwicklung, Entwicklungshilfe. Die Menschen leben ja nicht ohne Grund in Armut.Es ist nicht leicht, dem Guten in der Welt Gehör zu verschaffen. Aber es ist nicht aussichtslos. Und deswegen ist es wichtig, dass man nicht als Illusionär an die Arbeit geht, wenn man in seiner Welt und Umwelt und in sich selbst etwas zum Gutenverändern will, sondern dass man sehr realistisch auch mit der Macht des Bösen rechnet.Wir haben die Macht des Bösen unterschätzt. Sie ist eine Realität in der Welt. Wer das Böse außer Acht lässt, liebt nicht christlich, sagt Madeleine Delbrel. Also, christlich lieben heißt auch, dass man mit der Macht des Bösen rechnet und sich dadurch nicht entmutigen lässt, dass sie sich zeigt, sondern herausgefordert sieht. Jetzt aber der Illusion zu verfallen, man könne das Böse aus der Welt herausbomben, ist Unsinn. Aber wohl das Böse durch das Gute besiegen, wie Paulus im Römerbrief sagt. Das ist der Weg Jesu, sozusagen das Böse zu unterlaufen durch das Gute. Das ist die Arbeit an gerechten Verhältnissen in der Welt.Wer sich dieses Ziel setzt, darf nicht zuerst an Erfolg denken. Er freut sich, wenn es gut geht. Aber er lässt sich auch nicht entmutigen, wenn es ganz anders läuft wie in Palästina, im Heiligen Land. Es ist eine Katastrophe, dass ein Weg, der so verheißungsvoll aussah, wieder in Hass, Feindschaft und Mord stecken zu bleiben scheint. Aber auch dadurch dürfen wir uns nicht entmutigen lassen. Ich bin fest davon überzeugt, dass den Palästinensern in vieler Hinsicht Unrecht geschieht. Solange dort nicht für gerechte Verhältnisse gesorgt wird, wird sich auch nichts verändern.Die Fragen stellte Ingo Brüggenjürgen vom Kölner Domradio.

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