24.11.2000

Nachrichtenarchiv 24.11.2000 10:04 Domradio Trier beantragt Lizenz für UKW-Betrieb

Funkkorrespondenz24.11.2000Die Paulinus Verlag GmbH aus Trier hat bei der Landeszentrale für privaten Rundfunk Rheinland-Pfalz (LPR) in Ludwigshafen am 17. November die Lizenz für eine terrestrische UKW-Frequenz im Großraum Trier für das geplante Domradio Trier beantragt. Das Domradio Trier könnte mit der Frequenz bis zu 130 000 Hörer erreichen. Bereits verabredet ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Domradio Köln, das seit Pfingsten 2000 auf Sendung ist, allerdings allein über Kabel und Satellit (vgl. FK 23/00). Die Kölner Kollegen sollen das Mantelprogramm liefern, Trier würde täglich zunächst insgesamt 60 Minuten in einem lokalen Fenster einbringen; geplant sind bis zu drei Stunden Trierer Programm. Als Etat sind 300 000 DM jährlich vorgesehen, die allein vom Bistum getragen werden. Die LPR-Versammlung wird voraussichtlich im Februar 2001 über den Antrag entscheiden. Einziger Mitbewerber ist nach Angaben der LPR vom 20. November die Firma Herzogtel, die ebenfalls in Trier ansässig ist.Der Lizenzantrag birgt eine gewisse Brisanz, weil erst kürzlich bekannt wurde, dass die „Mutter" der Paulinus Verlag GmbH, die Paulinus Druckerei GmbH, plant, ihre Druckerei in Trier zu schließen und damit etwa 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - wenn sie nicht zum Produktionsort Saarbrücken übersiedeln - entlassen werde. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat, denStandort Trier zu erhalten. Nach Auffassung von Aufsichtsrat und Geschäftsführung ist der Standort Trier im Wettbewerb nicht mehr haltbar. Deshalb solle der Standort Saarbrücken, wo bereits jetzt die größeren Kapazitäten vorhanden sind, gestärkt werden.Versuch des Dritten WegesBei der Neuorientierung des publizistischen Engagements im Bistum Trier vor etwa 15 Jahren war die Paulinus Verlag GmbH mit der Rundfunkarbeit betraut worden. Sie beinhaltet die Produktion von Verkündigungssendungen und Berichten aus dem kirchlichen Leben für die privaten HöTfunksender. Seit etwa zehn Jahren beliefert die Rundfunkarbeit die privaten Sender in Rheinland-Pfalz und dem Saarland, Radio RPR 1 und RPR 2, Radio Salü und Rockland Radio. Insofern sind eine leistungsfähige Studiotechnik sowie Praxiserfahrung vorhanden. Vorgesehen ist auch eine enge redaktionelle Verknüpfung von Radio und Bistumszeitung.In Trier und Köln wird nicht ausgeschlossen, dass sich schon bald auch andere „Domradios" finden werden. Die Problematik für die kirchliche Medienpolitik besteht darin, dass hier der Versuch unternommen wird, abseits der bisher eingefahrenen Wege durch Rundfunkgesetze bei den öffentlich-rechtlichen Sendern und über Drittsenderechte bei den Privaten einen Dritten Weg zu versuchen. Zudem wird verwiesen auf das (evangelische) Radio Paradiso in Berlin sowie das (kaüiolische) Radio Stephansdom in Wien, die mehr oder minder erfolgreich eigene Wege gingen.