Das mit Palmen geschmückte Kreuz – Sinnbild für den Palmsonntag
Palmsonntag im Kölner Dom
Palmzweige als Symbol für Jesu' Einzug in Jerusalem
Palmzweige als Symbol für Jesu' Einzug in Jerusalem
Kardinal Woelki
Kardinal Woelki
...und Domorganist Winfried Bönig
Domorganist Winfried Bönig

05.04.2020 - 10:00

Pontifikalamt im Kölner Dom Palmsonntag

DOMRADIO.DE übertrug am Palmsonntag das Pontifikalamt aus dem Kölner Dom mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Es sang ein vierköpfiges Ensemble der Dommusik. Kantor war Eberhard Metternich. An der Orgel: Winfried Bönig.

In seiner Predigt blickt der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki auf den Leidensweg Christi und sein Licht, das zu Beginn der kommenden Woche auch uns wieder geschenkt werde.

Zunächst blickt er auf verschiedene Erinnerungen an Jerusalem zurück. Er erinnert sich an die Koexistenz der verschiedenen Religionen, die er dort beobachten konnte.

Er erinnert sich an das Bild von Papst Paul VI., der einst im Gedränge einer Menschenmenge in Jerusalem nur noch als weißer Punkt, "an seinem päpstlichen Pileolus" zu erkennen gewesen sei. Ein Mensch werde hier "zum Lichtpunkt im Drang der Ereignisse".

Hier leitet er über zum Licht der Welt, zu Jesus, und beleuchtet seine Leidensgeschichte. Sein Licht werde uns am Beginn der kommenden Woche erneut geschenkt. Dieses Licht, so sagte es auch Jesus, sei auch in uns allen zu finden – und dafür brauchen wir "nicht einmal Papst zu sein".

Wegen der Corona-Krise findet der Gottesdienst unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
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Der Palmsonntag ist das Tor zur Heiligen Woche, der Feier von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi. Dabei erschließt sich die Aussage der einzelnen Tage dieser Woche erst richtig, wenn wir sie im Zusammenhang sehen: vom Einzug Jesu in Jerusalem über die Feier des Abendmahls, den Verrat des Judas und die Verleugnung durch Petrus, die Gefangennahme und Verurteilung Jesu sowie seinen Kreuzestod und die Grabesruhe bis hin zur Feier der Auferstehung.

Der Palmsonntag erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem, von dem alle vier Evangelisten berichten. Den Hosannarufen der Menschen, die Jesu Einzug in die Heilige Stadt damals begleiteten, folgten bald schon die „crucifige“-Rufe („kreuzige ihn“) der Menge. Denn Jesus erfüllte nicht die Erwartungen derjenigen, die in ihm den politischen Befreier Israels sahen. Das Reich, das er errichtet und für das er bis zuletzt eintritt, ist nicht von dieser Welt. Die Konsequenz seines Verhaltens zeigt sich dann am Karfreitag.

Etwa seit dem Jahr 400 gab es in Jerusalem den Brauch, am Nachmittag des Palmsonntags in feierlicher Prozession mit dem Bischof vom Ölberg in die Stadt zu ziehen. Im Mittelalter übernahm die Kirche des Westens den Brauch als Palmprozession vor der Eucharistiefeier. Die während der Prozession getragenen, gesegneten Palmzweige werden auch heute noch mitgenommen und in den Wohnungen aufgesteckt.

Während in der Prozession mit geschmücktem Kreuz und dem Gesang von Lobliedern ein Bekenntnis zum Auferstandenen zum Ausdruck kommt, betonen die Lesungen des Tages stärker das Leiden und Sterben Jesu. In dieser Spannung von Leiden und Sterben einerseits und Auferstehung, Überwindung des Todes andererseits vollzieht sich das liturgische Geschehen dieser Woche. Der Hymnus aus dem Philipperbrief (2, 6–11 – zweite Lesung) spricht hier vom Hinabsteigen Jesu bis zum Tod am Kreuz und dem Hinaufsteigen in die Herrlichkeit des Vaters.

 Aus: Magnificat. Das Stundenbuch. Die Heilige Woche 2020