Kirchen und Frauenordination

 (DR)

Bis ins 20. Jahrhundert stimmten die Kirchen darin überein, dass das geistliche Amt gemäß der Bibel und der Tradition Männern vorbehalten ist. Die römisch-katholische Kirche sowie alle orthodoxen Kirchen halten bis heute daran fest. In den reformatorischen Kirchen wurde diese Sicht in den vergangenen Jahrzehnten revidiert. Vorläufer gab es bereits Mitte des 18. Jahrhunderts vereinzelt in der Herrnhuter Brüdergemeine, in methodistischen Kirchen sowie im 19. Jahrhundert in der Heilsarmee.

In den altkatholischen Kirchen, die sich 1870 von der römisch-katholischen Kirche getrennt hatten, herrschte bis in die 1970er Jahre die Ablehnung der Frauenordination vor. 1987 wurden in der Schweiz die ersten vier Frauen zu Diakoninnen geweiht, 1988 die erste Frau in Deutschland. Die ersten Weihen von Priesterinnen folgten 1996. Dies führte zum Bruch der Utrechter Union, weil vor allem die Altkatholiken in Polen diese Entscheidung nicht mittrugen.

In der katholischen Kirche versuchte Papst Johannes Paul II. 1994 durch das Apostolische Schreiben "Ordinatio sacerdotalis" die Debatte um eine Frauenpriesterweihe mit einer endgültigen Absage zu beenden. Papst Franziskus belebte sie neu, indem er 2016 eine Kommission zur historischen Erforschung des Diakoninnenamtes einsetzte. (KNA)