Flüchtlinge im Mittelmeer
Flüchtlinge im Mittelmeer

17.04.2015

Berichte über Gewalt auf Flüchtlingsbooten "Drama der Verzweiflung"

Dicht gedrängt auf kleinen Booten begeben sich viele Flüchtlinge auf den gefahrvollen Weg von Afrika über das Mittelmeer. Auf einem der Boote sollen jetzt Muslime Christen über Bord geworfen haben.

Die italienische Polizei hat 15 muslimische Migranten festgenommen. Wie italienische Medien übereinstimmend berichteten, genehmigte Justizminister Andrea Orlando am Donnerstagabend die Strafverfolgung. Die Tat sei zwar in internationalen Gewässern geschehen, aber nach der Anordnung des Ministers konnten die Verdächtigen im sizilianischen Palermo festgenommen werden. Den Berichten zufolge sollen die Muslime aus religiösem Hass gehandelt haben.

Die Männer sollen demnach aus den afrikanischen Ländern Mali, Senegal und Elfenbeinküste stammen. Einer von ihnen sei minderjährig. Der Streit ereignete sich den Berichten zufolge auf einem Schlauchboot. Zeugen berichteten, die Muslime hätten die zwölf christlichen Flüchtlinge ins Wasser geworfen. Ob diese zu dem Zeitpunkt noch am Leben waren, war zunächst unklar. Die Opfer sollen aus Ghana und Nigeria stammen. Dutzende weitere Migranten wurden von dem Boot gerettet. Sie identifizierten die mutmaßlichen Täter später. Den Berichten zufolge konnten die Überlebenden sich nur retten, weil sie sich gemeinsam zur Wehr setzten und Menschenketten bildeten, um an Bord zu bleiben.

Aufruf zum Dialog der Religionen

"Wir stehen vor einer neuen Dimension im Flüchtlingsdrama", sagte der Leiter der Flüchtlingsseelsorge der Bischofskonferenz, Giancarlo Perego, laut der italienischen Tageszeitung "Avvenire". Der Vorfall sei ein "Drama der Verzweiflung". Perego warnte davor, den religiösen Hass hierbei als Motiv in den Vordergrund zu stellen. Der Präsident der Vereinigung der islamischen Gemeinden Italiens, Izzedin Elzir, verurteilte den Vorfall als "Barbarei" und "Höchstmaß an Unmenschlichkeit". Zugleich rief er die Politik zum Handeln auf. Sie müsse ihre "Kultur der Gleichgültigkeit" aufgeben. Elzir verwies dabei auf eine entsprechende Äußerung von Papst Franziskus.

Der in der Bischofskonferenz für Flüchtlinge zuständige Kardinal Francesco Montenegro rief laut "Avvenire" zum Dialog der Religionen auf. Andernfalls würden Mauern entstehen, die höher als die Berliner Mauer seien, so der Erzbischof von Agrigent auf Sizilien.

(KNA, dpa)