Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Manchmal ist Nächstenliebe einfach!

Vor ein paar Tagen ploppte eine Nachricht auf meinem Smartphone auf mit zwei Fotos: ein rechter und ein linker Daumen, geschient, dick geschwollen und irgendwie nicht sonderlich gutaussehend. Auf meine Nachfrage kam ein: der eine gebrochen der andere geprellt. Oh, je habe ich gedacht, ohne die Nutzung der Daumen kann man doch gar nichts machen?

Also habe ich angerufen und es war ein sehr nettes Gespräch über Arbeitsunfälle trotz aller Vorsicht, über nette Kollegen und sehr hilfsbereite Mitmenschen, über die Nutzung und Wirkung von Schmerzmitteln, über die scherzhafte Botschaft des Arztes in der Notaufnahme, dass nur ein Daumen gebrochen, der andere schwer geprellt sei aber, dass er jetzt 6 Wochen nicht arbeiten könnte, über die Unmöglichkeit, ohne Daumennutzung ein Feuerzeug zu benutzen, aber doch tatsächlich Gemüse zu schneiden,  und die Idee, wenn man ja jetzt nicht putzen kann, einen Putz und Wischroboter anzuschaffen. Es war eine wirklich liebevolle Plauderei und schnell war eine halbe Stunde vergangen und ein aufatmen an der anderen Seite des Telefons deutlich zu hören. "Dankeschön für Deinen Anruf, jetzt geht es mir ein bisschen besser."

Manchmal ist Nächstenliebe so einfach. Schnell zum Telefon greifen und anrufen, sich Zeit nehmen und erzählen lassen, in diesem Fall den Unfall aufzuarbeiten und die Einzelheiten nochmal zu besprechen. Dem Nächsten zum Aufatmen verhelfen, ein wenig Deiner Zeit zu schenken und ein offenes Ohr für die kleineren und größeren Nöte zu haben, scheint oft so wenig und ist doch so viel. "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" ist die Aufforderung im göttlichen Gebot und gerade in den zweieinhalb Coronajahren haben wir doch sehr gespürt, dass wir neue und andere Wege der Begegnung nutzen müssen, wenn die direkte Nähe nicht geht.

Der Heilige des heutigen Tages, Antonius Maria Claret, hatte ein einziges Motto über sein arbeitsreiches missionarisches Leben im Dienste der Menschen genannt: "Die Liebe Christi drängt uns" Weil Christus uns liebt, können auch wir unsere Mitmenschen lieben. Es klingt einfach. Ist es oft auch!

 

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