Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Gebete wirken auch heute!

Heute ist für mich ein wirklich großer Feiertag. Der Tag der Deutschen Einheit ist sosehr mit meinem Leben, meiner Biografie verbunden, dass ich gar nicht anders kann, als ihn heute mit Ihnen zu bedenken.

In der DDR geboren und aufgewachsen habe ich schon sehr früh mitbekommen, dass bei uns alles irgendwie anders ist. Man musste immer den Personalausweis mit sich haben, im Ausweis waren immer Extrastempel, die wir als Bewohner des Sperrgebietes dicht an der Westgrenze jedes halbe Jahr erneuern mussten, im Nachbardorf war eine große Grenztruppenkaserne und Mannschaftswagen und andere Militärfahrzeuge waren uns bekannt.

In der Schule musste man gut überlegen, was man sagen darf und was lieber nicht und DDR-Kinder hatten irgendwann eine Meisterschaft darin. Ich durfte nicht zum Gymnasium, weil ich keine Jugendweihe, also kein Bekenntnis zum Sozialismus hatte und somit auch nicht studieren.

Aber, wir hatten einen hervorragenden Zusammenhalt in den Pfarrgemeinden, übervolle wöchentliche Jugendabende in allen Pfarreien und eine Gewissheit, in allen Sorgen und Problemen nicht allein zu sein. Die Gemeinschaft der Weltkirche und das Wissen, dass Gott alle Dinge zum Guten wenden kann, hat uns Mut und Kraft gegeben. Die Fürbitte für die Einheit des Landes, die Freiheit der Kirche und den Frieden in der Welt, wurde bei jedem großen Gottesdienst und bei jeder Wallfahrt gebetet. Und dann kamen die Montagsgebete, die Demonstrationen und die Gewaltlosigkeit der Menschen und eine Einsicht, die sehr spät aber sehr eindrücklich kam.

Der damalige und schon langjährige Chef der Staatssicherheit, Erich Mielke, hat in einem Prozess sehr irritiert zu Protokoll gegeben: "Wir waren auf alle vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete" Kerzen und Gebete sind viel mehr, als wir oft selbst denken und für wichtig halten. Trauen wir uns immer wieder, alle unsere Anliegen vor Gott zu bringen und nicht zu resignieren, wenn es in Kirche und Gesellschaft schwierig ist. Und wenn Sie mögen, kommen Sie heute Montagabend um 18.00 Uhr zum "Transitus" in die Mutterhauskirche in Olpe, wo wir mit Kerzen und Gebeten für Kirche und Gesellschaft und den Frieden in der Welt beten werden.

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