Allerheiligen und Allerseelen stehen vor der Tür

Wenn Tote ihre Toten begraben

Der November ist Trauermonat. Und auch Allerheiligen und Allerseelen stehen vor der Tür. Aber findet man heutzutage noch das richtige Maß der Trauer auf dem Friedhof? DOMRADIO.DE Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen hat da Zweifel.

 © DOMRADIO (DR)
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Hier auf dem Friedhof meiner Heimatstadt herrscht in den Tagen vor Allerheiligen und Allerseelen Hochbetrieb. Da vorne wird ein Blumengesteck aufgestellt – dort hinten noch das letzte Laub weggeharkt. Hier wird ein teurer Kranz richtig positioniert – dort wenigstens noch eine kleine Kerze aufgestellt. Mein Schwiegervater, der direkt neben dem Friedhof wohnte, amüsierte sich immer über diese "Friedhofkirmes" – wie er es nannte. Es stimmt ja auch – dort, wo viele ihre letzte Ruhestätte haben, ist es gerade rund um Allerheiligen wenig ruhig. Im Instagram-Selfie-Zeitalter, in dem jeder der Größte oder die Schönste sein will, muss natürlich auch die Grabstätte hell leuchten.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Es ist richtig, wenn wir unsere lieben Verstorbenen achten und ehren. Wenn wir uns an sie erinnern. Aber wir sollten das richtige Maß auch auf dem Friedhof im Blick behalten. Gerade doch auch hier gilt die Ansage Jesu: "Lasst die Toten ihre Toten begraben!" (Mt 8,22) Was für eine harte Antwort an den, der zuerst noch seinen Vater begraben will, hervor er Jünger Jesu werden will. Aber gerade diese fast unmenschliche Radikalität zeigt uns, was Jesus von uns erwartet, wenn wir ihm nachfolgen wollen. Es reicht eben nicht, nur die Gräber zu schmücken und ein paar fromme Übungen zu absolvieren. Nachfolge Jesu muss unser ganzes Leben durchdringen. Muss immer und zuerst das Leben im Blick haben – muss lebendig sein. Tote können keine Toten beerdigen. Aber wo immer noch ein Funke Gottes in uns lebendig ist, da können wir unsere lieben Verstorbenen achten und ehren. Wo immer wir aber die Liebe, die sie uns geschenkt haben, weitergeben – tatkräftig und lebendig und nicht nur auf dem Friedhof, sondern mitten in unserem Leben – da leuchtet schon heute das ewige Licht der Liebe Gottes auf.

Ihr Ingo Brüggenjürgen Chefredakteur DOMRADIO.DE

PS: Da der nächste Lockdown unser Alltagsleben im November erneut radikal verändern wird, möchten wir Ihnen versichern – ob Gottesdienst-Übertragungen oder aktuelle Informationen aus Kirche und Welt – auf Ihren Multimediasender mit dem "guten Draht nach oben" müssen Sie auch in den nächsten Tagen und Wochen – so Gott will – nicht verzichten.

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