Fastenimpuls von Kaplan Thomas Hufschmidt

Samstag der zweiten Fastenwoche

Jeden Tag ein Impuls: Mit Kaplan Thomas Hufschmidt aus der Pfarreiengemeinschaft Sinzig durch die Fastenzeit.

 (DR)

LK 15,1-3.11-32:

Alle Zöllner und Sünder kamen zu ihm, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater.

Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder;  er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat.

Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wiedergefunden worden.

Impuls:

Das gerade gehörte Gleichnis kennen sie sicher alle. Egal wie sie es nennen möchten – das Gleichnis vom verlorenen Sohn oder das vom barmherzigen Vater – es ist einfach bekannt. Und jedes Mal aufs Neue bin ich überwältigt von der Reaktion des Vaters. Wie er auf seinen Sohn zugeht, wobei er doch allen Grund gehabt hätte schroff und abweisend zu reagieren. Es gibt viele Facetten und Möglichkeiten diese Textstelle fruchtbar zu machen für unser Leben. Versuchen wir es heute einmal, indem wir den Blick auf den älteren Sohn werfen.

Seine Reaktion in dieser Situation ist – so meine ich – allzu menschlich. Eifersucht ist da im Spiel. Davor wären auch wir nicht gefeit. Wenn wir uns diese Situation nämlich einmal vorstellen, dann muss der ältere Sohn schon ganz schön viel einstecken.  Zuerst nimmt sein jüngerer Bruder das Erbe, macht sich aus dem Staub, kehrt zurück ohne Vermögen und wird auch noch herzlich aufgenommen. Auch wenn der ältere Sohn quasi "Nachhilfeunterricht" von seinem Vater in Sachen Eifersucht, Akzeptanz und Willkommenskultur gegenüber seinem Bruder erhält, bleibt es für ihn, und ich meine auch für uns, eine Herausforderung.

Nehmen sie sich diesen älteren Sohn einmal als Beispiel, wie er trotz seiner Einwände und Unverständnis zuhört. Wie er konfrontiert wird mit der Liebe des Vaters. Gott muss es bei uns doch ziemlich ähnlich gehen, wenn er mit seiner Liebe und Barmherzigkeit uns entgegenkommt, wir aber allzu oft damit überfordert sind. Lassen sie sich heute herausfordern: lassen sie sich in der Fastenzeit nochmal zusagen: Gott ist da, er liebt uns, er ist barmherzig und hat Geduld mit uns. Und vielleicht erwächst daraus ja auch ein kleines Pflänzchen, wenn sie einmal in ähnliche Situationen wie der ältere Sohn im Gleichnis geraten.


Quelle:
DR