Doppelmoral in der Coronakrise

Wir schaffen das nicht!?

230.000 Deutsche wurden aus ihren Urlaubsorten zurückgeholt - wenn man es nur möchte, kann man alles schaffen. DOMRADIO.DE-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen kritisiert das Handeln der Regierung und appelliert dazu an uns, einmal für Flüchtlinge auf Spargel zu verzichten.

 © DOMRADIO (DR)
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Wir schaffen es trotz strikten Einreiseverbots, kurzfristig 80.000 Erntehelfer aus Rumänien und Bulgarien einzufliegen. Der deutsche Spargel muss ja irgendwie auf unseren Teller. Wir schaffen es aber nicht, wenigstens die rund 5500 unbegleiteten Kinder aus den griechischen Flüchtlingslagern zu holen! Gerade einmal 50 Kinder – ja wirklich nur 50 Kinder – holt die Regierung jetzt nach Deutschland.

Wir schaffen es in kürzester Zeit, 230.000 Deutsche aus ihren Urlaubsorten aus allen Ecken der Welt zurückzuholen. Wir schaffen es aber nicht, die gut 40.000 Flüchtlinge aus den griechischen Lagern herauszuholen. Wir schaffen es im Eiltempo, 156 Milliarden für die Soforthilfe gegen Corona auf die Beine zu stellen. Wir schaffen es aber jahrelang nicht, die notwendigen Gelder zusammen zu bekommen, damit die Menschen in den Flüchtlingslagern wenigstens genügend Toiletten und Duschen haben – von der notwendigen medizinischen Hilfe ganz zu schweigen.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich bin heilfroh und wirklich dankbar, dass ich gerade jetzt, während andere Länder mit dem Coronavirus völlig überfordert sind, in Deutschland lebe. Aber ich wäre richtig stolz auf mein Land, wenn unsere Regierung erklären würde: Wir schaffen es nicht nur gemeinsam durch die Coronakrise – wir Deutsche warten nicht länger auf unsere europäischen Nachbarn – wir helfen sofort.

Wir schaffen das, und wir werden wenigstens die 5.500 unbegleiteten Flüchtlingskinder zu uns holen und vernünftig versorgen. Das wäre mal ein Signal der politisch Verantwortlichen, deren Parteien sich doch christlich und sozial nennen. Aber wenn es die da oben nicht schaffen, können wir alle zumindest zeigen, dass unsere Solidarität nicht am eigenen Tellerrand endet. Wie wäre es, wenn jeder, der jetzt 10 Euro in frischen Spargel investiert – und so rumänische Erntehelfer und deutsche Bauern finanziert – mindestens die doppelte Summe für die Flüchtlingshilfe spendet? Dieses Hilfspaket kann jeder von uns ganz persönlich schnüren – es würde den Namen christlich und sozial wirklich verdienen.

Ihr Ingo Brüggenjürgen Chefredakteur DOMRADIO.DE

PS: Gerne empfehle ich an dieser Stelle die effiziente und pragmatische Arbeit von Caritas international, Spendenkonto:  IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02 "Flüchtlingshilfe"

Es wäre schön, wenn Ihr "guter Draht nach oben" auch auf diese Weise gut funktioniert!

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