Der Aachener Bischof Musssinghoff feiert seinen 70. Geburtstag

Mann des Dialogs

Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff hat am Freitag seinen 70. Geburtstag gefeiert. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und sein Vorgänger, der Mainzer Kardinal Lehmann, würdigten besonders Mussinghoffs Einsatz für die jüdisch-christliche Aussöhnung.

 (DR)

Der aus dem münsterländischen Osterwick nahe Coesfeld stammende Kirchenrechtsexperte wurde 1995 zum Bischof geweiht und leitet seitdem das Bistum Aachen. Seit 1999 ist er stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz. Zudem steht er deren 2006 neu eingerichteten Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum vor.

Seit 1995 gehört er dem obersten Gericht der Kirche, der Apostolischen Signatur in Rom, an. 1996 übernahm er den Vorsitz der Wissenschafts-Kommission der Bischofskonferenz. Seit 1999 ist er Mitglied der römischen Kleruskongregation.

Einsatz für Bischofskonferenz und Vatikan
Lehmann und Zollitsch dankten Mussinghoff für seinen Einsatz für die Bischofskonferenz und den Vatikan. Zollitsch hob die Nähe Mussinghoffs zum Judentum hervor; sie zeige sich in seinen ausgezeichneten Hebräischkenntnissen und seiner Liebe zum Heiligen Land. Mit seinem Freund, dem früheren Münsteraner Bischof Reinhard Lettmann, habe er viele Wochen in staubigen Ausgrabungen Israels und Palästinas verbracht.

Als stellvertretender Konferenz-Vorsitzender sei Mussinghoff in rechtlichen und diplomatischen Zusammenhängen ein wichtiger Unterstützer gewesen. Die Mitbrüder in der Konferenz schätzten sein aufmerksames Zuhören und seine tiefsinnigen Zwischenrufe.

In seinem Festvortrag warnte Lehmann davor, das Zweite Vatikanische Konzil einseitig auszulegen. Von "konsvativer" oder "progressiver" Seite würden oft nur Textsplitter zitiert, die "bloß das Absprungbrett für Gedanken sind, die man ohnehin schon hat".

Bistum mit rund 1,15 Millionen Katholiken
Mussinghoff steht einem Bistum mit rund 1,15 Millionen Katholiken vor. Aufgrund rückläufiger finanzieller und personeller Ressourcen führte er die 540 Pfarreien zu Beginn seiner Amtszeit zu 71 "Gemeinschaften der Gemeinden" zusammen. 2003 rutschte die Diözese in eine Finanzkrise, die zwei Jahre später überwunden werden konnte.

Im Missbrauchsskandal bat er die Opfer und ihre Familien um Entschuldigung und sagte ihnen Hilfe zu. Bedauern bekundete er über den von Papst Johannes Paul II. verfügten Ausstieg der deutschen Bistümer aus der staatlichen Schwangerenberatung.